Schlagwort-Archiv: Karl Hofmann

Was ist, leistet Widerstand.

Dr. Karl Hofmann

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Was ist, leistet Widerstand. Warum fällt es uns so schwer, Neues zu verkraften? Fehlt es uns am richtigen Zugang? Liegt es daran, dass wir nicht genügend offen sind oder es nicht genügend stark wollen? Aus kairologischer Sicht gibt es den schlicht offenen Zuhörer nicht. Keiner ist neutral. Wir sind füreinander nicht einfach Material, das zu bearbeiten ist, und nur entsprechende Impulse braucht, um zu Neuem durchzustarten. Das eigene Denken und Wollen ist mit einer bestimmten Energie angereichert. Sie neigt dazu, dem Verändernden zu widerstehen – und zwar in dem Maße, in dem das Alte noch für uns bedeutsam ist. Denn darin verbirgt sich eine verborgene Energie des In-Beziehung-seins. Was wir als stur, uneinsichtig, starr, ideologisch beurteilen, ist oft nur Ausdruck einer starken inneren Bindekraft, die manchmal mit der Lebensphase, manchmal mit der Generationsschichtung, manchmal gar mit jahrhundertealten Mustern zusammenhängt.

Und selbst dort, wo der Widerstand überwunden ist, wird nur das verinnerlicht, was den eigenen Denk- und Handlungsmustern entspricht. Wir greifen das auf, was uns verspricht, dadurch zu einer echten Persönlichkeit ausreifen zu können. Was wir für gut halten, arbeiten wir in diesem Sinne um, bis es für die eigene Kraft repräsentativ ist.
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Mark Zuckerberg interessiert, was wir Kairos nennen.

Dr. Karl Hofmann

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Mark Zuckerberg interessiert, was wir Kairos nennen. Mark Zuckerberg ließ sich kürzlich auf Facebook interviewen. „Auf die Frage des britischen Astrophysikers Stephen Hawking, welche wissenschaftlichen Fragen Zuckerberg gern beantwortet sähe, antwortete der Facebook-Chef: Neben Fragen wie der nach ewigem Leben, ewiger Gesundheit und der Funktionsweise des Gehirns sei er ziemlich neugierig, ob es ein grundlegendes mathematisches Gesetz für menschliche Beziehungen gebe. Ein Gesetz, das steuere, „für wen und wofür wir uns interessieren“. Zuckerberg: „Ich wette, das gibt es.“ (Spiegel online 1.7.15) „Ja, gibt es!“ sagen wir.

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Kairos, Ostern und Auferstehung

KAIROS-Gedanke 1Apr15Kairos, Ostern und Auferstehung: So kurz vor Ostern kommt uns erneut in den Sinn, wie ein Kairos bewusstes Leben uns immer wieder „Auferstehung“ ermöglicht. Vieles geschieht in unseren Leben so selbstverständlich, dass wir es niemals „Auferstehung“ nennen würden. Zum Beispiel bei einem eingescanten Dokument: Das Original ist einmalig, die Reproduktion dagegen ist „ewig“, beliebig wiederholbar – sobald der Scan gespeichert ist. Dazwischen läuft ein Prozess ab. Von dem wir  manchmal ein grelles Licht sehen, in dem (wer weiß schon, wie?) die Sache blitzartig verwandelt wird.

Jede CD, jeder Film, jedes Foto, jedes Telefonat, ja jede Art digitaler Speicherung ist „Auferstehung“ und der Weg zur permanenten Verfügbarkeit ist gleichsam eine „Himmelfahrt“. Uns ist bewusst, so würden wir alle niemals über diese Dinge reden. Wir sprechen über das, was wir sehen, hören, begreifen. An eine „Auferstehung“ und „Himmelfahrt“ müssen wir  g l a u b e n  können.

Was hat das Ganze nun mit Ostern zu tun? Auch die Jünger Jesu haben „nur“ gesehen, gehört, begriffen. Auch von ihnen hat keiner in einem bewussten Sinne  g e g l a u b t. Lassen wir jetzt unsere Gedanken zu Kairos fließen, werden wir feststellen: Kairos ist auch nicht etwas, was ich glauben kann. Und dennoch verwandelt Kairos Reales in neue Bedeutungsrealität. Das heißt: Ein zunächst neutraler, sachlicher Vorgang – ein Gespräch, ein Blick, ein Text – wird durch unseren  G l a u b e n  auf einmal bedeutsam.

Wir sagen vielleicht bloß: „Das interessiert mich.“ oder „Das ist richtig“ oder „Das ist mir wichtig“. Dabei wird uns selten dieser Moment bewusst, in dem wir etwas blitzartig auf eine neue Ebene gehoben und damit verwandelt haben. Die Sache ist jetzt meine, unsere. Indem ich sie mit meiner Geistes- und Lebenskraft erfülle, lasse ich sie „auferstehen“. So wird ein Mensch auf einmal mein Partner, ein Satz auf einmal mein Glaube, eine Idee auf einmal mein Unternehmen. Was neutral war, was also für mich als Mensch tot war, wird in meiner Kraft lebendig und diese Kraft gibt ihm seinen Platz im meiner Beziehung zum Ganzen. Wir tun das ständig. Es lohnt sich, sich diese wesentliche Verwandlung manchmal bewusst zu machen. Je mehr sich etwas für mich mit Leben füllt, desto mehr lebe ich – wirklich.

Wir laden Sie ein, sich diese Woche manchmal bewusst zu machen, wie sehr auch wir Dinge und Menschen „auferstehen“ lassen.

Herzliche Grüße
Gabriela Linne und Karl Hofmann

Kairos-Leittext 1. April 2014

Sie verstehen? Natürlich, ich verstehe!

Dr. Karl Hofmann

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“Sie verstehen?” “Natürlich, ich verstehe!” Es sind oft kleine Wörtchen, die den tiefsten Grund einer Zeit und Mentalität erhellen. Ein solches Wörtchen ist heute wohl das „verstehe“. Es erscheint wichtig, sich selbst, andere, die Welt, die Geschichte, die Zukunft zu „verstehen“ – im ursprünglichen Sinne des Wortes: weg-stehen – etwas oder jemanden mit Abstand, distanziert, sachlich betrachten. Eine ganze Industrie des Verstehens hat sich entwickelt. Seine Produkte werden von Paaren und Eltern, von kleinen und großen Firmen, von Wirtschaft und Politik gebraucht.

Machen wir die Gegenprobe! Wie denken wir über Zeiten, in denen wenig verstanden wurde? Schaurige, finstere Zeiten waren das, denen jeder Abstand zu sich selbst fehlte.  Man kreuzigte, schlachtete, verbrannte alle, die anders waren. Ernsthaft fragten sich die Denker, ob solche anderen Wesen wie Ungläubige, Frauen, Indianer, Schwarze zur Gattung der Menschen als vernunftbegabte Wesen zu rechnen seien. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hielt sich das Verständnis für Fremdes in engen Grenzen.

Sind wir weiter? Natürlich, so scheint es. Denn wir lernen alles zu verstehen. Wir lernen Distanz. Und diese befähigt uns, in Kommunikation mit fast allem zu treten. Sie hilft, Partner, Heimaten, Firmen, Parteien, Berufsfelder ohne große innere Mühe zu wechseln. Diesen Abstand schafft auch die Art der Medien, die wir benutzen. Zwischen Schüssen, Revolutionen, ekelerregenden oder grausamen Szenen und uns liegt immer eine Trennwand: ein Bildschirm, ein Telefon, ein Radio.

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Erfolg im Leben oder Lebenserfolg?

Dr. Karl Hofmann

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Erfolg im Leben oder Lebenserfolg? Was wünschen Sie sich: Erfolg im Leben oder Lebenserfolg? Im ersten Fall geht es um die „Sache“ Erfolg, für die Sie Ihr Leben benützen. Dafür ist das gewöhnliche Zeitmanagement da. Es endet nicht selten im Burnout. Im zweiten Fall geht es darum, dass Ihr Leben selbst zum Erfolg wird. Dafür haben gibt es ein neues, qualitatives Zeitmanagement: die Ausrichtung an der Zeit des Menschen und das ist die Orientierung am Kairos. Seine konsequente Anwendung schließt Burnout aus.

Kairos ist mehr als ein günstiger Augenblick, der zufällig auftaucht, mehr auch als der berühmte siebte Sinn, den man im Geschäft braucht. Kairos ist die jeweils aktuelle Konstellation unserer menschlichen Lebenskräfte. Und erstmals gibt es ein Modell, das uns diese komplexe Konstellation und ihre Veränderung erschließt.

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Die Homepage – ein altes Problem

Dr. Karl Hofmann

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Die Homepage – ein altes Problem. Wir lachen darüber, wie seltsam sich die Menschen in der Barockzeit puderten, kleideten, benahmen, Perücken trugen, sich auf Porträts darstellen ließen. Verständlicher wird all das, wenn wir uns bewusst machen: das war die Ausstattung ihrer „Homepage“. Sie zwängten sich genauso in das Korsett der üblichen Präsentation wie wir die eigene Kompetenz im Internet in das Korsett irgendeiner Webseitenstruktur packen.

Damals betrachtete man einander auf der „Promenade“, wir surfen unbesehen durch die Webseiten unserer Konkurrenten. Wer damals gesellschaftlich etwas bedeuten wollte, musste am „Hofe“ präsent sein oder sich repräsentativ vertreten lassen. Unsere „Höfe“ sind die Internetforen. Nur Beamte oder Festangestellte können es sich leisten, dort nicht zu erscheinen. Der heutige Adel, die Wirtschaft, kann sich das nicht erlauben. Das geht so weit, dass die Präsenz im Internet „ein absolutes Muss für den stationären Einzelhandel“ geworden ist. In der Tat haben bereits 80% der Unternehmen eine eigene Homepage. 5,5 Milliarden soll das Online-Geschäft allein 2013 in Bayern erwirtschaftet haben. Dazu ein interessantes Zitat aus der ZEIT (4.4.2013, 56):
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Sind Radiologen nicht überflüssig? Vom Wert des Kairos-Wissens

Dr. Karl Hofmann

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Sind Radiologen nicht überflüssig? Vom Wert des Kairos-Wissens: Die Beschäftigung mit Kairos – ist das nicht zu abstrakt und lebensfern für jemanden, der praktisch und täglich zu führen hat, der sich direkt um den Gewinn seines Unternehmens kümmern muss? Auf den ersten Blick scheint es so, auf den zweiten ist diese Beschäftigung unverzichtbar. Dafür gibt es im täglichen Leben genug Entsprechungen.

Ist es z.B. nicht abstrakt, was ein Radiologe einem Chirurgen zu bieten hat? Muss in kritischen Fällen wie bei einem Schlaganfall der Neurochirurg nicht sofort operieren? Ist es nicht abstrakt, erst umständlich ein Navi zu programmieren, statt sofort loszufahren, wenn Eile geboten ist? Ist es nicht abstrakt, eine Nachricht ins Handy zu tippen, statt zu der Person hinzufahren und sie mitzuteilen? Warum tun wir es dann?
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Vom Dilettanten zum Spezialisten …

Dr. Karl Hofmann

Dr. Karl Hofmann

Vom Dilettanten zum Spezialisten zum Dilettanten: Beginnt nicht jeder echte Unternehmer als Dilettant? Ein Dilettant ist im wörtlichen Sinne ein Amateur, ein Liebhaber, ein Liebender, der irgendetwas Neues in seiner Kraft spürt. Egon Friedell schreibt: „Die menschlichen Betätigungen haben nur so lange eine wirkliche Lebenskraft, als sie von Dilettanten ausgeübt werden“ (Vom Schaltwerk der Gedanken, 75) und „Ein Dilettant ist sehr oft nichts anderes als ein Mensch, der eine neue Technik hat.“ (ebd., 78)

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Die Dynamik von anderen verstehen …

Dr. Karl Hofmann

Dr. Karl Hofmann

Die Dynamik von anderen verstehen ist besser, als sich über sie zu ärgern! Bei vielen von uns scheint Kairos im Alltag nicht vorzukommen. So ärgern wir uns über Politiker, über Geschäfts-partner, über Mitarbeiter, die zu „blöd“ sind, unsere Vorstellungen oder Anliegen zu verstehen oder sie vermeintlich gar bösartigerweise zu ignorieren. Wir glauben, dass die anderen uns so kostbare Energie stehlen, die wir für anderes bräuchten. Schauen wir genauer hin: Gewöhnlich sind die anderen gar nicht bösartig oder unwillens, uns zu entsprechen. Sie tun, was sie können (und werden gerade deswegen bei Kritik oft sauer). Sie haben nur einen anderen Horizont, andere aktuell dominante Entfaltungsenergien:

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Kairos und Handy im Einklang

Gabriela Linne

Gabriela Linne

Kairos und Handy im Einklang. Wer geht heute noch ohne Handy aus? Großartig, wie sich überall mit aller Welt Kontakt aufnehmen lässt! Großartig? Auch diese neue Errungenschaft ist offen für Glück und Unglück des Menschen. Auch ein Handy kann dazu dienen, die „Opferbereitschaft“ des Menschen auszunützen. Natürlich spricht heute niemand mehr von Opfern. Doch von vielen Unternehmern wird inzwischen verlangt, auch noch in der Freizeit, beim Warten auf Bahnhöfen, wann und wo auch immer „online“ zur Verfügung zu stehen. Nur so, wird ihnen suggeriert, retten sie ihren „Marktwert“ (wie man im 19. Jahrhundert in manchen katholischen Gegenden seine „Seele“ zu retten hatte). Hier wird das Handy dem Chronos gemäß und dem Zeitgeist gemäß für egoistische Bedürfnisse gewisser Kunden verzweckt. Gibt es tatsächlich nur die Alternative zwischen dem Sich-Verzwecken-Lassen und dem rigorosen Abschalten des Handys außerhalb von „Nine to Five“? Beides scheint in seiner Radikalität unbefriedigend zu sein. Was tun? Wem oder was sollen wir nun dienen?
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