Schlagwort-Archiv: Kairos-Wissen

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast …

KAIROS-Gedanke“Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast des Lebens!
Sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu. Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist.

Vergleichst Du Dich mit anderen, könntest Du bitter werden und Dir nichtig vorkommen. Immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als Du. Freue Dich Deiner eigenen Leistungen wie auch Deiner eigenen Pläne. Bleibe weiter an Deiner eigenen Laufbahn interessiert, wie bescheiden auch immer. Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

In Deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten; die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll Dich nicht blinden machen gegen gleichermaßen Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale, und überall ist das Leben voller Heldentum.

Weiterlesen

“Ich kann nicht!”

Sapere aude!Ich kann nicht? Was heißt das eigentlich? Heißt das: Ich will nicht? Oder: Ich fühle mich außerstande? Oder: Ich kann jetzt nicht? Oder: Ich kann generell nicht? Oder: Ich weigere mich? Oder: Mir fehlt die Kraft dazu? Mein heutiger Kairos-Brief an Sie ist ein Plädoyer für Genauigkeit. Warum? Weil es uns mit dem ehrlichen Blick auf unsere standardisierten Antworten den Weg öffnet, unsere eigene innere Energie besser kennenzulernen.

Ein Beispiel: In meinem „früheren Leben“ als Leiterin einer Werbeagentur hörte ich diesen Satz von einer Mitarbeiterin (35), die von einem Kunden wegen eines „wichtigen Projektes“ zu einem späten Gesprächstermin gebeten wurde. Spät hieß: um 19.00 Uhr an einem von ihm bestimmten Tag. Der Kunde war sehr erbost über die vermeintlich lapidare Antwort. Auch mir fiel es schwer, den Argumenten der Mitarbeiterin zu folgen. „Ich muss um 18.00 Uhr zu Hause sein. Mein Sohn braucht mich. Er möchte zu seiner Geigenstunde gefahren werden. Das ist sehr wichtig für mich.“ Da sie immer sehr gut gearbeitet hatte und die Kunden sie sehr schätzten, ließ ich es so stehen und übernahm den Termin. Ich selbst war 45 und die Projekte meiner Kunden lagen mir natürlich am Herzen. Wirklich verstehen konnte ich ihre Antwort damals nicht.
Weiterlesen

November-Blues und die Sache mit dem Bleistift.

Christina Broda

Christina Broda

November-Blues und die Sache mit dem Bleistift. Ich mag Blues. Vor allem spät am Abend, wenn die Welt zur Ruhe gekommen ist und der Tag dann schön ausklingen kann. Ich mag die Melancholie, die oft im Blues mitklingt und die zu später Stunde oft auch mich zu einem ‚lonesome cowboy‘ macht. Was ich nicht mag, ist der jetzt wieder allenthalben grassierende November-Blues. Diese Mischung aus Miesepeterigkeit, schlechter Laune, „alles-ist-Mist-Stimmung“ und leichten Anflügen von depressiver Haltung. Wenn einem die Leute schon mit Mundwinkeln bis auf den Bauchnabel entgegen kommen und sich noch krampfhaft in eine graue Stimmung hineinreden.

Klar, ich mag auch den hellen, fröhlichen Sommertag lieber als graues, trübes Nebelwetter. Aber der November gehört zur biologischen Erneuerung der Welt einfach dazu wie der Mai zum neuen Erwachen im Frühling. Das ist wie beim Reinemachen: ohne vorher den Mief herauszulassen, kann keine frische Luft in die Räume einziehen.

Wie so oft, haben wir doch immer die Wahl, wie wir uns verhalten wollen. Wollen wir dem November-Blues verfallen oder wollen wir uns einen schöneren Tag machen? DAS liegt nun wirklich an keinem anderen als ausschließlich an uns selbst. Wer wirklich in seinem Kairos lebt, dem ist der Monat sowieso unwichtig. Da ist das Wetter oder der Monat völlig egal, denn es kommt nur auf das beglückende Tun und die erfüllte Zeit an. Für alle anderen gibt es den Bleistifttrick.

Weiterlesen

Wie kann man denn nur?

Christina Broda

Christina Broda

Wie kann man denn nur? Manchmal ertappe ich mich schon noch dabei, dass ich so denke. Und dazu noch, das sei mein gutes Recht. Schließlich bin ich gut erzogen und weiß daher ganz genau, was sich gehört, wie man was zu machen hat. Mit fortschreitender Arbeit an mir selbst weiß ich, dass es anmaßend ist und mir selbst nicht gut tut, andere zu verurteilen und mich damit (spirituell) arrogant über sie zu erheben. Allerdings war das ein langer Lernprozess, der einiges Üben im bewertungsfreien Betrachten erforderte. Und wie oben erwähnt, selbst heute klappt es noch nicht immer.

Wie schnell wissen wir in Bezug auf andere, was sie ‚richtig‘ und was sie ‚falsch‘ machen, was sie ‚wie‘ hätten ‚besser‘ machen können, was wir ‚nie‘ so gemacht hätten, wie sie. Doch während wir so leichtfertig urteilen, wissen wir meistens nicht, aus welchen Beweggründen heraus die anderen Personen so handeln. Wir setzen voraus, alle dächten so wie wir, alle tickten so wie wir – weit gefehlt!
Weiterlesen

Leben mit negativen oder positiven Dias

Gabriela LinneLeben mit negativen oder positiven Dias. Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, ob Sie hauptsächlich mit negativen oder positiven Dias in Ihr Leben schauen? Mir war sie neu – bis ich vor kurzem nach vielen Jahren mal wieder das Buch „Transsurfing“ von Vadim Zeland las. Er schreibt dazu: Zitat „Die Vorstellung des Menschen von sich und seiner Umwelt ist oft weit von der Wahrheit entfernt. Für diese Verzerrung sind unsere DIAS verantwortlich. Zum Beispiel mögen gewisse persönliche Mängel Ihnen zu schaffen machen, und Sie erfahren dadurch ein Gefühl der Unvollkommenheit – auch anderen scheinen diese Eigenschaften nicht zu gefallen. …

Wenn Sie dann mit Menschen Umgang haben, schieben Sie Ihr Dia des Minderwertigkeits-komplexes in den Projektor und sehen alles in einem verzerrten Licht. … Dias führen zu Verzerrungen Ihrer Vorstellungen darüber, was andere Leute über Sie denken. Ein Dia ist ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Das Dia existiert in Ihrem Kopf, nicht in den Köpfen anderer. Wenn Sie das nicht sehr beunruhigt, kommt keine Verzerrung zustande. Alles ist, wie es ist. Aber es geht nicht einmal darum, was Sie über sich selbst denken, sondern welchen Einfluss das Dia auf Ihr Leben hat. … Sie sehen Ihre Umwelt durch dieses Dia hindurch, wie durch einen Filter. Es ist ein Dia, weil es nur in Ihren Gedanken besteht. … Woraus besteht nun das Dia, auf was für einer Folie sitze es? Die Basis des Dias ist das Gefühl der Wichtigkeit. Dieses Thema will uns anscheinend nicht loslassen.“ Zitat Ende

Weiterlesen

Mit Kairos im Fluss des Lebens

Joachim Trott

Joachim Trott

Mit Kairos im Fluss des Lebens kommen sogar Container geflogen … Wer in der richtigen (KAIROS-)Energie ist, der ist im Fluss des Lebens. Und die Lösungen kommen einem entgegen geschwommen oder geflogen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen Beitrag von 2012 mit dem Titel „Kommt ein Flipchart geflogen“ (siehe https://www.xing.com/communities/posts/kommt-ein-flip-chart-geflogen-punkt-punkt-punkt-1006309599). Heute war es kein Flipchart, heute war es ein ganzer Container. Und das kam so …

Die Vorgeschichte: Ich war verwöhnt! Ehrlich, sehr verwöhnt. Und dafür verantwortlich war der KAIROS-Unternehmer Michael Krissel und sein Angebot http://www.mein-abfallkalender.de. Denn in Hofheim, wo ich bis vor einem Jahr privat und geschäftlich residierte, wurde ich mit mein-abfallkalender.de steht’s per Mail oder App daran erinnert, wann die Tonnen geleert werden. In meinem jetzigen Geschäfts- und Wohnort Tübingen  gibt es mein-abfallkalender.de nicht. Privat stört mich das nicht weiter, denn zu Hause gibt es große Tonnen, in denen fast immer Platz ist und einen Hausmeisterservice, der die Tonnen rausstellt.

Geschäftlich hatte ich allerdings folgende Herausforderung: In meinem Olivenöl-Unternehmen sind sehr viele Kartons zu entsorgen. Und hier im Gewerbegebiet  Tübingen ist es so, dass die Kartons am Vorabend der Leerung einfach an die Straße gestellt werden (wenn man weiß, wann es so weit ist). Es gibt also keine Papier-Tonnen. Meist habe ich gesehen, wenn meine Nachbarn zum Abfuhrtermin ihre Kartons rausstellten. Aber in letzter Zeit muss ich das verpasst haben. Der Papier- und Kartonmüll im Lager wuchs und wuchs und auch im Büro wurde der Papiermüll unerträglich.

Heute, war es so weit: Die KAIROS-Energie machte sich breit.
Weiterlesen

Mark Zuckerberg interessiert, was wir Kairos nennen.

Dr. Karl Hofmann

Dr. Karl Hofmann

Mark Zuckerberg interessiert, was wir Kairos nennen. Mark Zuckerberg ließ sich kürzlich auf Facebook interviewen. „Auf die Frage des britischen Astrophysikers Stephen Hawking, welche wissenschaftlichen Fragen Zuckerberg gern beantwortet sähe, antwortete der Facebook-Chef: Neben Fragen wie der nach ewigem Leben, ewiger Gesundheit und der Funktionsweise des Gehirns sei er ziemlich neugierig, ob es ein grundlegendes mathematisches Gesetz für menschliche Beziehungen gebe. Ein Gesetz, das steuere, „für wen und wofür wir uns interessieren“. Zuckerberg: „Ich wette, das gibt es.“ (Spiegel online 1.7.15) „Ja, gibt es!“ sagen wir.

Weiterlesen

Ich verstehe die Welt nicht mehr!

Gabriela Linne“Ich verstehe die Welt nicht mehr!” Wie oft haben Sie diesen Satz schon gehört oder selbst gesagt. Wie oft haben Sie schon gesagt oder gedacht: “Ich verstehe meine Kunden, meine Partner, meine Familie nicht mehr! Und mir fehlt für deren Verhalten jegliches Verständnis.” Verständnislosigkeit ist bei Menschen ein immer wieder auftauchender innerer Zustand, der unser Wachstum auf allen Ebenen behindert. Mit anderen Worten: Die Verständnislosigkeit ist eine Energie-Blockade, eine energetische Sperre mit enormer Wirkung.

Da stellt sich nun die Frage: “Was ist zu tun?” Viele sagen: „Ach, wir trainieren ganz einfach, wie wir die Energie-Blockade überspringen und dann ist alles sofort wieder gut.“ Unsere Antwort ist eine weitere Frage: „Wie fühlt es sich an, wenn Sie sagen könnten: Ich verstehe nicht, doch ich habe Verständnis.“ Ich bringe Verständnis auf für den anderen, für die anderen, obwohl ich sie nicht verstehe.“

Ist Verstehen und Verständnis nicht das Gleiche? Nein. Verstehen wollen ist die Sache des Geistes, des Kopfes, des Egos. Verständnis aufbringen ohne zu verstehen, ist die Sache der Resonanz, des Bauches, des Gefühls. Sobald ich Verständnis aufbringen kann, fließt die Energie wieder – auf allen Ebenen.

Mit KAIROS lernen wir, Verständnis aufzubringen. Sowohl für unsere eigenen inneren Energie-Zustände als auch für die der anderen. Schaffen wir das, sind wir auf den Weg zu einem wohl tuenden zwischenmenschlichen Verständnis. Anderes gesagt: zu der Kraftquelle für Wachstum.

Machen Sie doch jetzt gleich mal einen kleinen Gefühls-Test mit der Frage:
Für wen waren Sie in letzter Zeit verständnislos? Haben Sie jemanden oder mehrere entdeckt? Jetzt suchen Sie sich eine Person aus, für die Sie sehr, sehr gerne Verständnis aufbringen würden, um das Verhältnis zueinander zu verbessern. Nun fragen Sie sich: Was brauche ich, welche Informationen würden mir dabei helfen, Verständnis aufzubringen? Selbst wenn Sie innerlich sagen: „Ich verstehe zwar nicht …?!“ Doch …

Bitte lassen Sie mich wissen, wie es Ihnen mit Ihrem Gefühls-Test erging.
Eine verständnisvolle Woche und alles Liebe
Ihre Gabriela Linne

KAIROS-Leittext 17. Juni 2015

Die Wahrhaftigkeit bedarf der Wahrheit.

Christina Broda

Christina Broda

Die Wahrhaftigkeit bedarf der Wahrheit. Manchmal leben wir frei wie ein Vogel sorglos in den Tag hinein. Wir genießen einfach unser Sein ohne uns große Gedanken um irgendetwas zu machen. Dann aber gibt es auch wieder Tage, da beschäftigen wir uns mit den großen Fragen des Lebens: „Wer bin ich?“, „Wo will ich hin?“, „Habe ich mein Leben sinnvoll genutzt?“, „Was kommt noch?“. Ob bewusst oder unbewusst, streben wir alle ständig nach unserem Optimum. Wir wollen, dass unser Sein und unser Handeln sinnvoll und für uns bedeutungsvoll ist. Wir wollen herausfinden, wer wir wirklich sind, wir wollen das sagen, was uns ausmacht, wir wollen das tun, was uns wirklich erfüllt, wir wollen wahrhaftig sein und agieren. Unser Leben ist darauf angelegt, dass wir uns selbst finden.

Aber wie sieht denn das in der Praxis aus? Wer kennt sie nicht, die kleinen Stimmen im Hinterkopf, die uns in einem oftmals babylonischen Gedankengewirr von unserem ureigenen Weg abhalten wollen. „Ach, das ist viel zu anstrengend“, „Mach lieber das weiter, was Du machst, da weißt Du, was Du hast“, „Meinst Du wirklich, dass Du das kannst?“, „Wenn Du das machst, dann denken die anderen, Du wärst…“, „Willst Du in Deinem Alter wirklich noch…?“. Das ist ein ständiges Geplapper und Sie können entscheiden, ob Sie negieren, zögern, aufschieben, nachgeben, ganz wie Sie wollen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Nun gibt es aber noch eine weitere Stimme. Es ist Ihre ‚Innere Stimme‘, die Ihnen tief aus dem Herzen oder tief aus dem Bauch oder tief aus der Seele spricht. Die Stimme, die ausspricht, was Sie wirklich, wirklich für sich wollen. Ist d i e s e Stimme verhandelbar? Ganz klar: ‚Nein!‘, denn die Wahrhaftigkeit bedarf der Wahrheit. Wir können uns unser Leben lang selbst belügen. Aber dann werden wir nie unser Optimum erreichen, nie ganz in unserer Kraft sein und nie die erfüllte, lebendige Zeit haben, die wir uns alle für uns wünschen. Um wahrhaftig wir selbst zu sein, müssen wir uns unseren Ängsten, Sorgen, Freuden, Träumen stellen. Wir müssen aus der Dauerberieselung des Alltags stark herausfiltern, was uns gut tut und uns nützlich ist auf unserem Weg zu unserer Echtheit. Wir müssen den Mut haben, uns gegebenenfalls auch gegenüber anderen abzugrenzen, die uns aus verschiedensten Gründen von unserem Weg fernhalten wollen. Wir müssen lernen, unsere innere Stimme wahrzunehmen – und wir müssen ihr zu vertrauen lernen und ihr zu folgen.

Das an dieser Stelle schon oft erwähnte Kairos Navi ist eine Erinnerung an unsere Echtheit. Es gibt uns andauernd Hinweise – auch wenn die nicht so klar sind wie beim Navi im Auto. Darum tun wir gut daran, uns immer wieder die Fragen zu stellen: ‚Was passiert da gerade? Was will mir das sagen?‘ und uns ständig im bewussten Wahrnehmen zu trainieren. Ohne Wahrheit sich selbst gegenüber, gepaart mit dem Mut, sich ihr zu stellen, werden Sie nie Ihre Wahrhaftigkeit erreichen, Sie werden faule Kompromisse machen, sich verbiegen, sich ärgern und zwar auch irgendwie leben, aber nicht in Ihrer Fülle und nicht das Leben, das Sie als wirklich sinn- und bedeutungsvoll empfinden.

Die Wahrhaftigkeit bedarf der Wahrheit, sich selbst und anderen gegenüber. Sind Sie wahrhaftig Sie selber, sind Sie echt, dann haben Sie der Welt eine Menge zu geben. Heutzutage ist die Sinnfrage eine der meist gestellten Anliegen. ‚Alle Welt‘ scheint auf der Sinnsuche zu sein. Ja-Sager und Blender haben wir viel zu viele. Wonach wir suchen ist Echtheit. Und die gibt es nur mit Wahrheit. Sollten Sie gerade wie ein Vöglein sorglos in den Tag leben, genießen Sie diesen Zustand noch eine klitzekleine Weile.  Allen Suchenden wünsche ich viel Mut auf ihrem Weg zur Wahrhaftigkeit, aber vor allem ganz viel Freude und Erfülltsein bei der Entdeckung ihres wahren Selbst.

Mit herzlichen Grüßen, Christina Broda
Kairos-Leittext 17. April 2015

Sie ist dumm, und sie will es bleiben!

Christina Broda

Christina Broda

“Sie ist dumm, und sie will es bleiben!” Bei regnerischem Wetter habe ich mir neulich mit viel Freude einen Märchenfilm angesehen. Am Ende einer langen Brautschau unter den Prinzessinnen des Landes sagte der Prinz über eine abgelehnte Kandidatin „Sie ist dumm – und sie will so bleiben!” Dieser Satz hat mir so gut gefallen, dass ich ihn hier gleich verwenden möchte. Denn kennen Sie in Ihrem Umfeld nicht auch Menschen, die sich dafür entschieden haben, dumm zu bleiben? Vielleicht ist ‚dumm zu bleiben‘ etwas hart gesagt. Aber zumindest Menschen, die spätestens nach der Ausbildung für sich entschieden haben, freiwillig nichts Neues  mehr dazu lernen zu wollen.

Für mich, die sich lebenslanges Lernen mit Begeisterung auf ihre Fahnen geschrieben hat, eine unverständliche Haltung. ‚Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir!‘  lautet der im Bildungsbereich gern zitierte Ausspruch, den Seneca ursprünglich übrigens genau anders herum formuliert hat, nämlich ‚non vitae sed scholae discimus‘. Als Schüler denken wir ja tatsächlich oft, wir lernten nur für die nächste Mathearbeit und für das Versetzungszeugnis. Einige lernen angeblich auch nur so viel, weil es für jede 1 von der Oma 5 Euro gibt.

Oft begreifen wir zu spät, welcher Luxus Wissen und seine Aneignung ist. Dabei bedeutet Lernen doch Fülle! Erst einmal im Kopf, weil das Wissen ja irgendwie gespeichert werden muss. Aber dann bedeutet Wissen auch ganz viel Fülle im anderen Sinne, wenn man sich wie in einem Supermarkt aus verschiedenen gut gefüllten Regalen sorglos bedienen und einen wundervollen Präsentkorb zusammenstellen kann, je nach dem, wer der Empfänger ist. Schulanfängern schreibe ich gerne auf die Karte, dass Lernen, vor allem das Lesen können, die Welt richtig groß macht. Wir können uns selbst informieren über alle möglichen Themen, wir können uns bis zum Experten Spezialwissen aneignen. Wir sind unabhängig von jemandem, der uns ‚vorliest‘, weil wir selbst in der Lage sind, uns Wissen anzueignen. In Zeiten des Internets ja noch leichter als früher.

Alles in der Natur will wachsen, größer werden, sich ausbreiten und in voller Schönheit zeigen. Warum sollte es unserem Geist anders gehen?

In den kairologischen Lebensphasen lernen wir unterschiedlich, unserer jeweiligen Dynamik entsprechend. In der Lebensphase 1, die für die Ur-Liebe steht, lernen wir eher emotional. Wir werden getragen, gehoben, gestreichelt, geküsst wenn wir gelernt haben, fein Bäuerchen zu machen oder unseren Teller leer zu essen. Wir spielen viel und lernen daraus. Unsere krickeligen Kinderzeichnungen nehmen unsere Tanten von uns mit Tränen der Rührung in den Augen entgegen. Wenn Mama uns liebhält, ist alles gut! Wir lernen spielerisch und über Emotionen.

In Lebensphase 2, die für den Ur-Glauben steht, lernen wir den Glauben an, gut und böse, richtig und falsch‘. Dann werden wir von Vater, Lehrer oder Sporttrainer belohnt und gelobt, wenn wir etwas gelernt haben. In der ersten Klasse bekommt man noch drei Pferde- oder Hundestempel, wenn man etwas richtig gut gemacht hat, später dann eine 1. Wir können gar nicht abwarten, zur Schule zu kommen und sind sehr wissbegierig. Wir lernen über Beurteilung durch (hoffentlich) positive Autoritäten.

In Lebensphase 3, die für die Ur-Hoffnung steht, in die ja auch die Pubertät fällt, hoffen wir darauf, dass das, was wir vorher gelernt haben, auch Bestand hat. Wir wollen lernen, um zu verstehen. Pubertär provozierend testen wir aus, ob das, was man uns beigebracht hat, tatsächlich gilt. Wir testen aus, ob die Beziehung noch Bestand hat, wenn wir uns gegen die Regeln verhalten und wir hoffen, dass es zutrifft. Wir lernen durch das In-Beziehung-Setzen des Erlernten mit unserem Verhalten und die Reaktion unserer Umwelt darauf.

Diese Lernprozesse ziehen sich in ihrer jeweiligen Form durch unser Leben. In der letzten Phase der Persönlichkeitsentwicklung, im Alter zwischen 52 und 58 Jahren, der Lebensphase 9, setzen wir dann alles aus unserem Leben miteinander in Beziehung. Wir wollen das Wissen haben, das unsere eigene Ganzheit fördert und unser eigenes Profil schärfen. Und da in Lebensphase 9 müssen wir dann auch Farbe bekennen vor uns selbst, ob wir wirklich unser Leben unseren Anlagen, Potenzialen, unseren Fähigkeiten entsprechend gestaltet und gelebt haben.

Wenn dann dabei rauskommt, dass jemand ab 20 – ich übertreibe jetzt etwas – nur noch BILD-Zeitung gelesen und RTL geguckt hat, sich für sonst nichts interessiert und nichts dazu gelernt hat, so können wir davon ausgehen, dass diese Person nicht das Optimum aus ihrem Leben gemacht und ganz sicher nicht ein erfülltes Leben geführt hat. Ihre Entscheidung an einem bestimmt Punkt im Leben war: ‚sie ist dumm – und sie will so bleiben‘. Das Wort dumm ist in diesem Sinne dann eher als eingefrorener Status Quo anzusehen.

Überall auf der Welt kämpfen Menschen darum, lernen zu dürfen. Sie haben den Traum von ganz viel Wissen und eine Ahnung von der Vergrößerung ihrer Welt durch dieses Wissen, kurz: sie streben nach der Fülle des Wissens. „Schmiede das Eisen, so lange es heiß ist“, finde ich in diesem Zusammenhang ein gutes Ansinnen. Denn wenn der Wunsch nach Lernen kommt, das dann auf später zu verschieben, weil dann …. besser ist, ist wahrscheinlich dann erst mal für lange Zeit aufgeschoben. Dem gegenüber halte ich den Spruch „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ für eine faule Ausrede. So viel Menschen haben im Rentenalter noch neue Hobbies gelernt, die Vorlesungen an den Senioren-Universitäten sind rappelvoll.

Und wozu nun das alles? Weil ich Ihnen wünsche, dass Sie ganz viel Freude am ewigen Lernen, an der damit verbundenen Eroberung Ihrer Welt und an dem köstlichen Gefühl der diesbezüglichen riesigen Fülle in sich erfahren. ‚Sie ist dumm – und sie will so bleiben‘ ist dann für kein Mitglied dieser Gruppe, egal ob Mann oder Frau, ein zutreffender Satz – und DAS, liebe Gruppenmitglieder, finde ich, kann gerne so bleiben!

Eine lernreiche, heitere Woche.
Christina Broda

Kairos-Leittext 8. April 2015