Unternehmer als Pfadfinder mit eigenem Kompass.

Warum sollten Unternehmer als Pfadfinder mit eigenem Kompass unterwegs sein? Von Zeit zu Zeit liebe ich es, wohl meiner alten Pfadfindervergangenheit geschuldet, mich ganz der Natur auszusetzen und in sie einzutauchen. Die Harmonie und das „Einssein-Gefühl“ mit der Natur verschaffen mir immer wieder verblüffend schnell einen gehörigen Abstand vom Alltag. Und somit neue Zugänge und Einsichten über aktuell anstehende Entscheidungen.

So war ich mit meinem Freund Achim vom letzten Donnerstag bis Samstag unterwegs. Ausgerüstet mit Zelt, Schlafsack, Kocher, Pfanne und Lebensmittel, alles gut verstaut im Rucksack, starteten wir unser kleines Abenteuer: drei Etappen des Wanderwegs der Deutschen Einheit. Der Weg führt von Görlitz mit insgesamt 40 Etappen nach Aachen. Als virtueller Wanderweg fehlt eine eigene „Kennzeichnung“. Er setzt sich ja aus vielen verschiedenen Wanderwegen zusammen. Wir waren also ständig mit der Aufgabe konfrontiert, die richtigen Teilabschnitte der lokalen Wanderwege zu identifizieren.

Schon am Ende des ersten Tages hatten wir folgende Situation: Unsere Wanderkarte und die physisch fest installierte Karte der Region vor Ort zeigten in unterschiedliche Richtungen. Welche war jetzt die richtige Richtung, in die wir zu gehen hatten? Mit ca. 20 Kilometern in den Knochen und dem Gefühl, kaum noch Zugang zu seinen eigenen Kräften zu haben, eine Frage von wirklichem Gewicht. Nun, im Zeitalter der modernen Technik alles kein Problem – so dachten wir. Ein kurzer Check, ob Funkkontakt vorhanden war und schon hatten wir wieder unser Siegerlächeln auf den Lippen. Wir waren uns sicher, dass dank iPhone und Googlemaps der richtige Weg für uns angezeigt wird. Aber: Zu unserer Überraschung hatten wir jetzt die dritte Variante zur Auswahl. Was tun?

Da war erst mal eine Pause angesagt. Und plötzlich musste ich laut lachen. Was war passiert? Mir war aufgefallen, wie gern ich bei anstehenden Entscheidungen im Außen nach Handlungsan-
weisungen, Beispielen oder nach Orientierungen geschaut hatte. Eben nach „geistigen Landkarten anderer“. Zum Beispiel: „Was würde wohl die Person X tun? Oder: Wer hat mehr Recht, Person X oder Y oder Z? Oder: Darf ich auf Person Y hören und damit X oder Z verletzen?“ Anstatt mich erst mal nach meinem eigenen Kompass, sprich Gefühlen und Intentionen auszurichten, war ich häufig in der Orientierung im Außen unterwegs. Und hatte so meine Mühe, anstehende Kurskorrekturen anderen zu erklären.

Wie lösten wir schließlich unser Problem vor Ort? Nun – wir zogen unseren Kompass heraus, bestimmten die Richtung und fragten uns: „Was fühlt sich richtig an?“ Die Antwort war eindeutig und das, obwohl keine der Karten (Wanderkarte, lokaler Lageplan, Googlemaps) dies beschrieb. Wir gingen trotzdem unseren Weg – und lagen richtig. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich bei Ihren Entscheidungen nach ihrem eigenem Kompass richten, auch wenn alle vorhandenen Karten (im Außen) etwas anderes anzeigen.

Eine schöne Woche, immer auf eigenem Kurs
Erhard Golla

8. Juni 2011
Kairos-Leittext

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