Kairos-Frage: Durchhalten oder aushalten?

Kairos-Frage: Durchhalten oder aushalten? Wie hätten Sie’s denn gerne? Neulich beim KAIROS- Morgen-Workshop hatten wir ein Thema, das mich noch heute beschäftigt. Und ich würde Sie gerne in meine Überlegungen einbeziehen. Thema war: das Durchhalten durchhalten. Eine Teilnehmerin fragte, wie war das noch mal? Das Aushalten aushalten? – oder so ähnlich … und schon waren wir in der Diskussion.

Was ist nun AUSHALTEN und was ist DURCHHALTEN? Scheinbar dasselbe? Auch die Lexika helfen wenig, denn die Unterscheidung ist minimal. Kurz darüber nachgedacht: „Easy. Ist doch dasselbe.“ Wirklich? Also in beiden Worten steckt „halten“, okay. Aber wie unterscheide ich „aus-“ und „durch-“halten“? Wenn ich etwas aushalte, steckt für mich Schmerz drin, aua.

Ein Beispiel: Ich sitze an meinem Arbeitsplatz, meine Arbeit wächst und wächst. Ständig klingelt das Telefon. Und dann kommt noch ein Kollege, der unbedingt meine Unterstützung braucht. So langsam fängt mein Bauch an, sich zusammen zu ziehen und ich denke: „Oh je, wenn das mal gut geht …“ Am besten ich verschanze mich unter dem Schreibtisch und wimmele alles ab, was mir zu nahe kommt. Aber … ich halte aus … keine Ahnung warum, aber ich tu es … Ich halte das Aushalten aus.“

Nun die gleiche Situation, aber mit Durchhalten. Ich sitze an meinem Arbeitsplatz, meine Arbeit wächst und wächst. Ständig klingelt das Telefon. Und dann kommt noch ein Kollege, der unbedingt meine Unterstützung braucht. So langsam fängt mein Bauch an, sich zusammen zu ziehen und ich denke: „ Wenn Du so weiter machst, dann kannst du dich gleich selber einliefern.“

Nö, das ist nichts für mich. Ich probiere es mal mit Schieben. Oh, ein Arbeitsturm hat sich bewegt und wow, ich sehe das Fenster wieder, Licht strömt ein. Jetzt heißt es durchhalten. Ich fange an, die Stapel zu sortieren, das ist aufwendig und macht wieder Arbeit, aber ich sehe auch plötzlich Licht am Ende des Tunnels. Ich halte durch und arbeite unbeirrt mit ruhigem Tempo weiter, mein Ziel fest vor Augen. Die Stapel nehmen ab, der eine oder andere Kollege konnte sich selbst helfen und, oh Wunder, mein Schreibtisch wird leerer.“ Ich weiß gar nicht wie und bin nicht aus der Puste“ (Beppo Straßenkehrer aus Momo).

Was ist Ihnen nun lieber? Ab unter den Schreibtisch oder die Hoffnung, dass irgendwann Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist? Eben: das Durchhalten durchhalten. Erst an dem bewussten KAIROS-Morgen-Workshop wurde mir bewusst, dass ich seltenst ausgehalten habe. Denn warum sollte ich Schmerzen aushalten, wo doch schon ein ganz kleines Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, wenn ich nur genau hinschaue. Das gibt Hoffnung und Energie.

Also los geht’s … Ärmel hochkrempeln und mit dem Wissen des Lichts am Ende des Tunnels DURCH … vielmehr hoch auf den Schreibtischstuhl, ein „don’t disturb“ Schild gebastelt und schon wird durchgehalten …

Eine durchgehalten beschwingte Woche
Anke Bohl

25. Mai 2011
Kairos-Leittext

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