Vom Genuss des Nichthörens.

Haben Sie schon einmal von Genuss des Nichthörens gehört? Vielleicht kennen Sie das? Sie haben sich etwas Ehrgeiziges vorgenommen und wissen, dass es auf das Durchhalten ankommt. Sie gehen die Aufgabe optimistisch an und sind überzeugt: „Das schaffe ich schon.“ Diese PACK-AN-Emotionen sind bestimmt vielen vertraut. Denken Sie nur mal an die positiven Vorsätze, wenn es um Sport oder sonstiges regelmäßiges Tun geht. Auch das kennen viele: Nach einiger Zeit versickert schrittweise Stück für Stück die Energie. Es reicht nur noch zum halbherzigen Tun. Die ersten Kompromisse werden sichtbar. Da sind wir in guter Gesellschaft. Und jeder hat seine Gründe. Gute nachvollziehbare Gründe, selbstverständlich.

Es geht aber auch anders. Es gibt tatsächlich diese Menschen: Sie nehmen sich etwas vor und ziehen das einfach durch. Sie kommen dann auch ungefähr dort an, wo Sie hinwollten. Okay, vielleicht hat es änger gedauert. Vielleicht ist es auch etwas anders als vorgestellt. Aber Sie kommen an.

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass genau diese Menschen irgendwie anders sind. Irgendwie ein bisschen merkwürdig, seltsam oder sogar ein bisschen „verrückt“. Na klar, sie halten eben ihren eigenen Kurs bei, bleiben bei ihrem ursprünglichen Ja. Auch gegen die Meinung anderer. Ein paar Beispiele gefällig? Gern: Arnold Schwarzenegger war mit 16 überzeugt, einmal Mr. Universum zu werden. Bill Clinton eröffnete jedes Gespräch seit seiner Collegezeit mit den Worten: Sie sprechen mit dem zukünftigen Präsidenten der USA. Ein magerer Teenager, Miss Posh, erklärte erstaunten Journalisten, dass ihr Name bald so bekannt sein wird, wie eine Waschmittelmarke. Tja – wie geht das eigentlich? Häufig sind solche Geheimnisse in Geschichten verpackt. Hier ist eine, die einen Teil des Geheimnisses verrät:

Es gab einmal einen Wettkampf der Frösche. Ziel war es, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen, der auf einer Waldlichtung stand. Es versammelten sich viele Tiere, um diesem Spektakel zuzuschauen. In Wirklichkeit glaubte niemand daran, dass auch nur ein Frosch auf die Spitze des Turmes gelangen könne. Weil alle wussten, dass Frösche nicht klettern können. Was man aus dem Publikum hörte, waren Sätze wie:

“Die Armen! Sie werden es nie schaffen!”
“Sie sind verrückt!”
“Schuster bleib’ bei deinen Leisten!”
“Lasst die Affen mal ran!” und Schlimmeres.

Einige Frösche traten darauf hin gar nicht erst an, andere gaben schon bald auf. Nur wenige kletterten tapfer der Spitze des Turmes entgegen. Die Zuschauer riefen: “Ihr werdet euch sämtliche Knochen brechen!” Bis auf einen Dickschädel, der sich nicht ein einziges Mal umgeschaut hatte, gaben sich nach und nach alle geschlagen. Dieser eine Frosch aber erreichte unter großer Anstrengung die Spitze des Turmes. Der Applaus war mäßig. Es wurden sogar Stimmen laut, die behaupteten: “Er hat bestimmt irgendein verbotenes Mittel eingenommen habe!“ “Bei ihm handelt es sich bei ihm wahrscheinlich um ein Eichhörnchen in einem Froschkostüm.“

Einige aber wollten später dennoch von ihm wissen, wie er das geschafft hatte. Der Reporter der Wald- und Wiesenzeitung trat zu ihm, um zu fragen. “Wie ist das Unmögliche gelungen, diesen Wettkampf zu gewinnen.“ Als der Sieger auf die Frage keine Antwort gab, sondern immer nur lächelte, merkten sie … Er war taub! Für ihn war der „Genuss des Nichthörens“ ein Leichtes gewesen.

Eine Woche mit gutem Durchhaltevermögen und einer gewissen angebrachten „Taubheit“
Ihr Erhard Golla

11. Mai 2011
Kairos-Leittext

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