Wie kam die Glace auf das Stängeli?

Wie kam die Glace auf das Stängeli? Dieser ulkige Titel eines Büchleins der beiden Schweizer Autoren Eric Baumann und Stefan Eiselin brachte mich auf die Idee, mit Ihnen einmal wieder über die vermeintlichen Unmöglichkeiten des unternehmerischen Daseins zu sprechen. Und zwar ganz aus der Sicht der beiden „Neugierigen“, die sich immer selbst Fragen stellen. Und sie dann beim Tages-Anzeiger unter der Rubrik „Die Frage“ auch gleich beantworten.

Doch zunächst die kurze Geschichte zu der Einstiegsfrage Zitat aus dem Buch: „Aus purem Zufall. Der elfjährige Frank Epperson ließ einmal einen Mix aus Limonadepulver und Wasser und einen kleinen Rührstab vor dem Haus seiner Eltern liegen. In jener Nacht im Jahr 1905 fielen die Temperaturen in San Francisco unter den Gefrierpunkt. Und so fand der Bub am nächsten Morgen „Eis am Stiel“ vor der Tür. Seine Erfindung nannte er Epsicle. Er verkaufte sie jeweils bei Schulfesten. Erst rund 20 Jahre später erkannte er den wahren Wert und ließ seine Stängeli-Glace unter dem Namen Popsicle offiziel schützen.“ … Siehe auch

Was will uns nun diese Geschichte sagen? Manches kommt kairosmäßig zu uns geflogen oder ist sogar schon da – und wir … sind mit anderen „wichtigen“ Dingen beschäftigt?

Ich will es noch ein wenig verdichten, mit drei weiteren kleinen / großen Beispielen. Frank McNamara hatte 1950 sein Geld zu Hause vergessen und saß dumm da, als er im Restaurant zahlen wollte. Flugs erfand er eine Karte zum Zahlen und gründete Diners Club.

Die Sekretärin Bette Nesmith Graham stellte in den Fünfzigern in Heimarbeit Korrekturfarbe her, um Tippfehler zu übermalen und mit der Schreibmaschine zu übertippen. IBM war desinteressiert. So produzierte Frau Nesmith es eben in einer Fabrikhalle in Dallas selbst.

Der Arbeitskollege von Spencer Silver (Angestellter bei 3M) namens Art Fry, selbst Mitglied eines Kirchenchores, hatte 1974 genug davon, dass ihm immer wieder die Lesezeichen aus den Gesangsbüchern fielen. Er erinnerte sich an die Entwicklung seines Kollegen von Ende der 60iger Jahre, die kaum Beachtung fand. Und heute: Kleb es (Post-it) – kennen wir alle, oder?

Okay, und nun? Wie wäre es, wenn wir immer mal wieder wie ein interessierter Beobachter in stillen Minuten unser ganz eigenes [Unternehmer] Leben anschauen? Und wahrnehmen. Zum Beispiel: Was machte ich eigentlich alles Tolles, Unbemerktes, was mir leicht von der Hand geht? Worüber andere gar glücklich wären, wenn sie davon erführen? Und wenn Sie bei sich selbst alles „ganz normal“ finden: Einfach mal etwas aus Versehen draußen stehen lassen? Müsste allerdings etwas anderes sein als Glace und Stängeli. Denn das gibt’s ja nun schon.

Ich wünsche Ihnen allen eine amüsiert beobachtende Woche ihres eigenen Tuns und bedanke mich noch einmal sehr herzlich bei den beiden Autoren von „Wie kam die Glace auf das Stängeli?“ für ihre wunderbaren Geschichten und die damit verbundene Inspirationen.

Ihre Gabriela Linne
Kairos-Leittext 19. Januar 2011

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