Alles ändert sich – immer!

Alles ändert sich – immer! So erfreut mich das ganze Jahr über ein immerwährender Kalender mit Achtsamkeitsübungen. Heute blätterte ich auf folgenden Spruch von Drukpa Rinpoche: “Das Leben ist ein Fluss. Wenn du es näher betrachtest, dann wirst  du sehen, dass sich alles in jedem Augenblick ändert.” Zeitraffer-Aufnahmen beweisen das auf besonders faszinierende Art. Vieles, das wir für fest und unumstößlich halten, ändert sich. Selbst eine trutzige Burg ändert sich über die Jahrhunderte: sie bekommt Risse oder wird von Moos und Rosen bewachsen. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen tatsächlich an einem Fluss und eine besonders schöne Welle kommt daher geschwemmt. Wenn Sie dann die nächsten drei Wellen beobachten und dann doch finden, dass die erste Welle die schönste war – dann ist sie weg – für immer.

Oder Augenblicke. Wie oft im Leben möchten wir die Zeit anhalten, um den gerade erlebten Moment nie beenden zu müssen. Doch Chronos ist da unerbittlich. Die Zeit geht weiter und mit ihr vergeht irgendwann auch dieser Moment. Bei Menschen, die darauf geeicht sind, mit dem Auge des Mangels die Welt zu betrachten, ist dann oft ein großes Bedauern und Wehklagen zu hören.

Das Gute aber ist, dessen bin ich ganz sicher: Es kommen wieder schöne Momente, es kommt wieder eine schöne Welle, es kommen wieder Menschen und Begegnungen, neue Zellen, oder was auch immer.  Das Leben ist tatsächlich ein Fluss. Es geht immer weiter.  Selbst nach dem Tod eines uns sehr lieben Menschen, selbst wenn die Trauer sehr groß ist und man zuerst denkt, die Welt sei nun ganz schwarz…. Das Leben fließt… es geht weiter… Zustände, Emotionen, Eindrücke ändern sich permanent…

Genauso wenig, wie wir auf dem Boden verschüttete Milch wieder in den Topf zurück schaffen können, wird es uns gelingen, den Fluss des Lebens anzuhalten.  Es hat lange gedauert, bis ich das für mich begriffen UND akzeptiert habe. Natürlich habe auch ich Situationen erlebt, wo ich mir wünschte, die Zeit bliebe stehen. Da ich jedoch finde, das Leben ist eine Wundertüte, bin ich andererseits aber auch neugierig auf all das, was sich mir noch zeigen will an Begegnungen, Erlebnissen und Situationen.

Ich versuche darum, nicht mehr an allem herumzuzerren, sondern die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Das ist sehr entspannend. Was passiert ist, ist passiert, die Welle ist vorbei geschwommen. Falls sie mir nasse Füße gemacht hat, kann ich aus ihr lernen, wie bei der nächsten Welle meine Füße trocken bleiben. Aber ich kann es nicht noch mal mit derselben Welle üben. Im Chronos wollen wir Festhalten und Statik, im Kairos sind wir im Fluss und folgen unserer Dynamik.

Pu der Bär bekommt auf seine Frage, welcher Tag denn heute sei, die Auskunft: „Heute“. Und er antwortet: „Oh, das ist mein bevorzugter Tag“.  Ich liebe dieses kleine Bild, denn es macht mit wenigen Worten deutlich, wie wohl es tut und wie friedvoll es ist, das Leben fließen zu lassen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr in dem für Sie alles fließt, sich angenehm verändert und vor allem wohl gedeiht.

Christina Broda
11. Dezember 2013

Kairos-Leittext

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>