“Schein oder Sein?” Die zwei Gesichter.

Alzen,Ulrike_ mit TextWenn wir über Schein oder Sein nachdenken, landen wir automatisch bei Fragen wie: „WER BIN ICH? Dieser oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer? Bin ich beides zugleich?“ Zitat Dietrich Bonhoeffer. Mit diesen Gedanken hat uns gestern gleich früh morgens in unserem Kairos-Workshop Ulrike Alzen beschäftigt. Ja also, wer bin ich denn nun? Bin ich die Beschreibung dessen, was ich immer so von mir gebe? Bin ich mein Name, meine Rollen, meine Ausbildungen, meine Tätigkeit? Bin ich also all das, was im Außen sichtbar wird? Oder bin ich all das, was sich in meinem Inneren abspielt?

Über die Außenbetrachtung können wir eine ganze Menge auflisten. Wir schauen uns das alles an mit den inneren Fragen: „Das bin ich nun also? Ist das alles?“ Es fühlt sich unbefriedigend an und wir gehen wir doch mal lieber den Weg über das Innere. Wir listen alles auf, was uns ausmacht, alle inneren Fülle- und Mangel-Punkte, und bemerken auf einmal die zwei Gesichter genannt „Schein oder Sein“. Gehen wir in Resonanz mit einem Fülle-Punkt erstrahlt unser ganzes Wesen und unser Gesicht zeigt es. Wir sind dann Fülle und „scheinen“ auch so. Gehen wir in Resonanz mit einem Mangel-Punkt wird unser Wesen eng, unser Gesicht zeigt es wieder. Und hier geht’s los.

Diese Art von „So bin ich auch“ will kaum ein Mensch wahrhaben. Wir wollen immer toll er-scheinen, kämpfen gegen den Mangel-Punkt an und versuchen mit aller Kraft das „Erscheinungsbild toll“ aufrecht zu erhalten. Doch so entstehen zwei Gesichter wie zwei Seiten einer Medaille, die auf einer Seite einen Fehldruck hat.

Erich Fromm hat sich dem Sein und dem Schein in seinem Buch „Authentisch leben“ auf seine Art gewidmet. Er gibt uns vier Hinweise mit auf den Weg für ein authentisches Leben:

  1. Die Fähigkeit zu staunen ist die Voraussetzung für alles Schöpferische. Denn Sein ist schöpferisch.
  2. Wir brauchen die Kraft der Konzentration auf das Hier und Jetzt.
  3. Trainieren wir die Fähigkeit zur Selbst-Erfahrung = zur Entwicklung eines Selbst- oder Seinsgefühls, erleben wir uns schöpferisch als Urheber unserer Taten, und scheinen.
  4. Wir haben die Aufgabe, die sich aus Konflikten und Spannungen ergebenden Polaritäten akzeptieren zu lernen, damit Sein und Schein immer wieder neu zusammengefügt werden können.

Authentisch leben ist die Bereitschaft, täglich neu geboren zu werden. Es ist die Bereitschaft, SEIN und SCHEIN in Übereinstimmung zu halten. Die zwei Gesichter bleiben, wie die schon genannten zwei Seiten der Medaille. Jedoch: Sie passen zusammen.

Eine authentische Woche für alle
Ihre Gabriela Linne

4. Dezember 2013
Kairos-Leittext

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