Innere Bilder oder: So bunt kann Leben sein.

Innere Bilder oder so bunt kann Leben sein: Neulich war ich in einem Kunstmuseum. Interessant. Alle Stilrichtungen quer durch die Jahrhunderte waren vertreten. Von den Anfängen bis zur Moderne. Aufgeschlossen schaute ich mir die Bilder an und dachte: Warum stoßen mich manche der Bilder ab, andere sind mir gleichgültig und noch andere berühren mich auf eine ganz merkwürdige Art. Ich wendete mich meiner Freundin zu, die mit mir das Museum besuchte, und machte sie „verzückt“, auf ein modernes Werk mit viel Farbe (gelb, blau, rot) einer gelben Kugel in der Mitte aufmerksam. Mit Begeisterung gab ich von mir, was ich alles darin sah. Völlig perplex schaute sie auf das Bild, hörte meine Worte und sagte: „Tja, wenn Du meinst. …“

Für mich strahlte dieses Bild Wärme und Geborgenheit aus. Ihr dagegen war es zu bunt, und die Farben regten sie sogar auf, da sie – wie sie fand – so chaotisch angeordnet waren. Warum schauten wir nun beide auf das gleiche Bild, aber jeder mit einer anderen Wahrnehmung. Rührte das Werk in uns, in unserem Gefühl oder Verstand, etwas Erlebtes, Erfahrenes an?

Bei mir auf jeden Fall. Ich liebe Farben. Das Kunstwerk mit dem gelben Punkt in der Mitte wirkte auf mich wie ein Kind im Mutterleib, geborgen in warmes Rot und lichtes Gelb, mit ein wenig blau im Außensein, der Umwelt. Wohlig aufgehoben in der Farbenfreude des Lebens sozusagen. So, wie ich auch „meine“ eigene Welt fühle und liebe, dabei immer fröhlich, vielseitig und gerne auch ein bisschen „aufregend“. Für meine Freundin dagegen braucht alles seinen festen Platz. Das schafft – Ihr zumindest -Sicherheit und Berechenbarkeit. Eine ganz andere Art von Aufgehobensein. Beide, sie und ich, haben völlig unterschiedlich reagiert. Und das nur, weil wir auf einen völlig unterschiedlichen Erfahrungsschatz zugreifen. Logisch, eigentlich …

Huch, jetzt heißt es das nächste Mal aber aufpassen. Wenn ich also in einem Gespräch eine „bildhafte“ Idee habe, heißt es erst einmal abstimmen. Ob mein Gegenüber sie nachempfinden oder verstehen und am besten auch gut finden kann. OK, alles klar. Ab sofort überprüfe ich meine „inneren Bilder“ und habe Verständnis, wenn mein Gegenüber andere „Bilder“ hat. Ob das meinen Gesprächspartnern wohl zu „bunt“ wird? Wen das Thema stärker interessiert, der lese von Dr. Gerald Hüther „Die Macht der inneren Bilder“

Eine bunt lebendige Woche mit vielen schönen Bildern, Ihre Anke Bohl
Kairos-Leittext 12. Januar 2011

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