Weihnachtslaune? Weihnachtshetze? Weihnachtsstille.

Weihnachtslaune? Weihnachtshetze? Weihnachtsstille. WEIHNACHTEN- Oh Du fröhliche … Markt und Straßen steh’n verlassen, still erleuchtet jedes Haus, sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so festlich aus… (Joseph von Eichendorff)

Willkommen auf der Erde: Eine liebe Kollegin schrieb mir „Vor Weihnachten ist immer viel los in unserer Branche. Alles muss bis dann fertig werden. Geht Weihnachten die Welt unter? Man hat manchmal den Eindruck …“ Was denn nun? Frieden und Besinnlichkeit – oder –Jahresabschluss,
Hektik, Stress und Weltuntergang. Haben Sie sich schon entschlossen? Mir fällt das schwer! Warum? Auf mich trifft beides zu. Das Jahr hat nun mal 12 Monate. Und – nach 12 Monaten wird bekanntlich abgerechnet. In vielen Bereichen. Und ausgerechnet in diese Zeit fällt Weihnachten. Da wo die Hektik so richtig am Toben ist und der Tag am besten 48 Stunden hat, da sollen wir uns auf das wichtigste Ereignis unserer christlichen Kultur besinnen. Komisch.

Wäre da der Sommer mit Sonne und Urlaub nicht besser, entspannter gewesen??? Warum also ausgerechnet im Winter? Richtig kalt, Husten, Schnupfen, launische Chefs? Mir ist dieses Jahr etwas Merkwürdiges passiert. Ich habe im November ein spirituelles Yoga-Seminar in einem Kloster besucht. Herrlich, eine Ruhe, die für meinen quirligen Geist und gerne sprechenden „Schnabel“ am
Anfang eine Herausforderung darstellte. Nach mehreren Stunden hatte ich mich daran gewöhnt und ein wohlig schwerer Zustand machte sich in mir breit. Mein Sprechen verstummte. Ent-Spannend.

Sonntagabend hatte mich die Welt wieder und am Montag hatte ich eine dicke Halsentzündung. Erst habe ich mich geärgert. „So ein schönes Wochenende und dann das …“, bis mir auffiel, dass das wohl so sein musste. Ich durfte nämlich noch 4 Tage länger Ruhe halten, Bücher lesen und konnte über meine im Kloster gemachten Erfahrungen nachsinnen. Mir ging auf, dass meine Krankheit etwas Gutes hatte. Ich wurde durch mein Körpergebrechen „entschleunigt“ und ich durfte nachdenken – über alles – Gott und die Welt.

Liegt Weihnachten vielleicht deshalb am Ende des Jahres, damit wir auf jeden Fall, notfalls durch Husten und Schnupfen, zum Nachsinnen, Spüren kommen, was uns wichtig ist? Ist die Abrechnung also vielleicht ein Test, um unsere „Standfestigkeit“ zu überprüfen? Wer hetzt, verliert das Wesentliche aus den Augen. Stimmt! Das weiß ich aus meinem Alltag. Bin ich zu schnell, mache ich Fehler. Ist es also eine Kunst, auch in einem 48-Stunden-Tag innehalten zu können? Ich glaube ja.

Jetzt sind Sie dran. Versuchen Sie doch ein Mal mitten in Ihrem Büroalltag oder wo auch immer Sie jetzt sind, eine Minute innezuhalten, die Seele kurz baumeln zu lassen und nachzudenken. Merken Sie, was Ihnen wirklich wichtig ist? Vielleicht hat es nicht sofort geklappt, ihr Kollege schaut Sie ein wenig schräg an, aber nur Mut: Übung macht den Meister. Nur was Ihnen wirklich wichtig ist, zählt. … DENN: auch dieses Jahr wird Ihr Büro das „Weihnachts-Jahresendrennen“ oder was/wer immer sie hetzt, überleben und das nächste Jahr kommt bestimmt. Ich zündete am 1. und 2. Advent entspannt die Lichter auf meinem Adventskranz an und konnte mich so richtig innerlich freuen. Oh Du fröhliche …

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit
Herzlichst, Ihre Anke Bohl

Kairos-Leittext 8. Dezember 2010

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>