Wie und was wir glauben …

Wie und was wir glauben … oder auch nicht. Haben Sie schon einmal bedacht, wie unterschiedlich wir im Deutschen mit dem Wörtchen „glauben“ umgehen? Wir benützen drei Versionen:

1) Ich glaube dir, dass du morgen die Rechnung bezahlen wirst.
2) Ich glaube, dass morgen die Rechnung bezahlt wird.
3) Ich glaube dir. Über die Rechnung brauchen wir gar nicht reden.

Im ersten Fall glauben Sie etwas auf das Wort einer Person hin. Diese stellt das Vertrauen zwischen Ihnen und der zu erledigenden Sache her. Sie ist der Grund ihrer Hoffnung auf das Geld.Im zweiten Fall glauben Sie etwas. Sie sagen JA (oder NEIN) zu einem ganzen Vorgang.
Im dritten Fall vertrauen Sie völlig der Person. Alles, was geschieht, lebt aus der persönlichen Beziehung. Sie wissen, selbst wenn die Rechnung am nächsten Tag faktisch nicht bezahlt würde, läge das nie an der Person, sondern höchstens an höherer Gewalt.

Im ersten Fall ist Glauben eigentlich ein Akt der Hoffnung auf eine Person, im zweiten ein bewusster Glaubensakt, im dritten schließlich der Akt einer echten inneren Beziehung. Was hat das mit Kairos zu tun? Ich glaube, dass unsere Kairos-Momente oft auf diese drei Formen von Beziehung bezogen sind. Ohne „glauben“ geht keine Beziehung zu Menschen, auch nicht zu Geschäftspartnern. Aber wie glaube ich?

Manchmal gibt es Begegnungen, in denen sich spontan mein Urvertrauen meldet. Manchmal glaube ich, dass eine Sache (hier Rechnung) eine solche Autorität beim anderen hat, dass er auch tut, was er tun soll. Manchmal baue ich auf das direkte Wort des anderen. Meistens arbeite ich mit den beiden letzten Möglichkeiten. Manchmal auch tue ich nur, als ob ich glauben würde, in Wirklichkeit denke ich mir: „Was bleibt mir anderes übrig.“ Diese Einstellung bringt mir sicher die wenigsten Kairos-Momente. Es lohnt sich also, einmal auf meine wahren Glaubenseinstellungen zu achten. Was ist bei wem dominant? Und warum wohl? Auf jeden Fall: Ein Kairos wird zwar im Himmel konstruiert, er fällt aber nur über unsere Formen von Offenheit auf die reale Erde.

E Woche voller Kairos-Gelegenheiten
Ihr Karl Hofmann

Kairos-Leittext 10. November 2010

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