Was ist besser: Talent, Fleiß?

Was ist besser: Talent, Fleiß? Damit das Unternehmen gelingt. Genau das habe ich mich neulich selbst gefragt und kam auf den Gedanken, mir ein paar Gedanken darüber zu machen. Und das ging so: Was ist überhaupt Talent? Laut Wikipedia ist Begabung oder Talent eine besondere Leistungsvoraussetzung einer Person. Gemeint sind meist eine oder mehrere überdurchschnittliche Fähigkeiten. Seinen Ursprung hat das Wort in der altorientalischen Maßeinheit Talent. In der Bibel wurde sie auch zur Bezeichnung einer entsprechend großen Menge Geld verwendet. Im uneinheitlich gedeuteten Gleichnis vom anvertrauten Geld (Mt 25,14−30 EU) werden drei Knechten fünf oder drei Talente oder nur ein “τἀλαντον” anvertraut – “jedem nach seiner eigenen Fähigkeit (Kraft)”.

Aha, brauche ich also nur Ausschau nach meinen Talenten zu halten und schon läuft’s auch mit dem Vertrauen in mich, mit der Kraft zu handeln, mit dem Geld, mit dem Unternehmen? Oder wie? Eine Antwort auf diese Frage fand ich in einem Beitrag vom August letzten Jahres: in einer Untersuchung, die der Psychologe Ericsson und seine deutschen Kollegen Ralf Krampe und Clemens Tesch-Römer Anfang der 90er Jahre an der Berliner Universität der Künste durchführten.

Mit Unterstützung der Professoren teilten sie die Violinisten der Universität in drei Gruppen ein. In Gruppe 1) waren die talentierten Stars, die das Zeug zu Weltklasse-Solisten hatten. In Gruppe 2) waren die guten Violinisten. In Gruppe 3) waren alle weiteren, die vermutlich nie als professionelle Konzertmusiker auftreten und wohl – laut Studie – als Musiklehrer an Schulen gehen würden. Sämtlichen Studierenden stellten die Wissenschaftlicher dieselbe Frage:
“Wenn Sie Ihre gesamte Laufbahn zusammen nehmen, beginnend mit dem Tag, an dem Sie das erste Mal eine Geige in die Hand genommen haben – wie viele Stunden haben Sie dann insgesamt geübt?“

Die Angehörigen aller drei Gruppen hatten etwa mit 5 Jahren begonnen Geige zu spielen. Sie übten alle 2 oder 3 Stunden pro Woche. Im Alter von 8 Jahren zeigten sich die ersten Unterschiede. Die Studenten aus der Gruppe der Besten hatten intensiver geübt:

im Alter von 9 etwa 6 Stunden pro Woche,
im Alter von 12 etwa 8 Stunden pro Woche,
im Alter von 14 rund 16 Stunden pro Woche,
im Alter von 20 mehr als 30 Stunden pro Woche mit dem Ziel, ihr Spiel zu verbessern.

Im Alter von 20 hatten diese Elite-Musiker und -Musikerinnen insgesamt etwa 10.000 Stunden geübt. Im Vergleich: die “guten” Studierenden kamen auf etwa 8.000 Stunden Spielpraxis und die künftigen Musiklehrer auf knapp über 4.000 Stunden. Diese Untersuchung wurde auch bei Pianisten und anderen Musikern durchgeführt – mit ähnlichem Ergebnis. Erstaunlich war, dass Ericsson und seine Kollegen “Naturtalente” und weniger talentierte „Fleißige“ bei den Weltklasse-Musikern fand. Ach so. Der Unterschied liegt also mit oder ohne Talent im fleißigen Üben? Das ist alles?

Da haben wir sie nun, die magische Zahl von 10.000. Der Neurologe Dr. David Levitin schreibt dazu: ” Untersuchungen zeigen, dass 10.000 Übungsstunden erforderlich sind, um sich dieses hohe Maß an Kompetenz zu erarbeiten, das man von Experten von Rang erwartet und zwar auf jedem Gebiet. Egal, ob es sich um Komponisten, Basketballspieler, Romanautoren, Schlittschuhläufer, Konzertpianisten, Schachspieler oder Verbrechergenies handelt. Sämtliche Untersuchungen kommen immer wieder auf diese Zahl.” Nun ziehe ich also mein Fazit:

Für einiges, was ich tue, habe ich „viel“ Talent. Und weil ich fleißig daran arbeite – schließlich habe ich’s mir ja ausgesucht -, geht’s immer leichter.

Für einiges, was ich tue, habe ich „wenig“ Talent. Und weil ich fleißig daran arbeite – schließlich habe ich’s mir ja ausgesucht -, geht’s immer leichter.

Ulkig, oder? Und damit mein Unternehmen gelingt, mache ich einfach so weiter. Und Sie? Halten Sie durch? Übrigens nach den 10.000 Stunden geht es natürlich mit dem Trainieren immer weiter. Ist doch klar, oder?

Eine fleißige Woche mit gutem Gelingen Ihres Unternehmens wünsche ich Ihnen allen von Herzen.

Herzliche Grüße
Ihre Gabriela Linne

Kairos-Leittext 13. Oktober 2010

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