Unternehmerischer Druck: Wie stellen wir uns?

Unternehmerischer Druck? „Als Unternehmer hast du immer Druck. Den musst du aushalten“, so höre ich. Dazu sagt Jürgen Hubbert, der frühere Mercedes-Chef: „Druck ist, wenn du nicht mehr du selbst sein kannst. Weil immer alle auf dich schauen. Weil immer einer was von dir will. Und dieser Druck ist geeignet, Menschen zu verbiegen.“

Machen wir uns bewusst, dass das Empfinden von Druck keine objektive Gegebenheit ist. Es ist eine Sache der inneren Kraft. Druck wird zum Problem, wenn die Kraft nicht mehr dafür ausreicht, „du selbst zu sein“. Eine Form der Reaktion kann sein, sich zu „verbiegen“. Bestimmte Werte zu opfern, z.B. Ehrlichkeit oder Gerechtigkeit. Evtl. tut man, was man immer kritisiert hat, sich etwa einlassen auf Korruption.

Die Gefahr der Überforderung nimmt zu, je höher einer aufsteigt. Gleichzeitig ändert sich die Art der Überforderung. Um die 40 werden manchen Menschen Ideen bewusst, die neue und für sie absolut vernünftige Innovationen darstellen. Das muss doch jeder in der geschäftlichen Umgebung einsehen. Doch plötzlich wird argumentativ dagegen geschossen. Das Neue stößt zunächst auf Ablehnung. Wer hat hier die stärkere Kraft der Vernunft? Wie viel Druck in Form geistiger Ablehnung kann ich aushalten? Oder ziehe ich meine Ideen zurück, werde ich nun stromlinienförmig?

Wieder anders kann sich Druck um die 50 zeigen. Da hat sich einer ein Maximum an Kompetenzen angeeignet. Entsprechend vielfältig sind die Funktionen, die er glaubt ausfüllen zu müssen. Er hat seinen Machtraum so weit wie möglich ausgeweitet. Doch erlebt er sich zunehmend fremdbestimmt. Irgendwelche „Sachverhalte“ bewirken den Druck. Um das innerlich zusammenzuhalten, greift der Mensch in diesem Alter unbewusst auf seine tiefste Kraft zurück, sein Urvertrauen in den Zusammenhalt der Welt.

Die Frage ist für jeden: Wie weit reicht diese meine Kraft? Nehme ich sie wirklich zum Maßstab, wenn ich entscheide, was ich anpacke? Anders gefragt: Gehe ich nur so weit, dass ich es immer noch schaffe, ich „selbst zu sein“? Wer sich an seiner Kraft orientiert, orientiert sich an seinem Kairos. Er braucht sich nicht „verbiegen“.

Eine gute Unternehmerwoche wünscht Ihnen
Dr. Karl Hofmann

28. August 2013
Kairos-Leittext

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