Kennen Sie Ihre Werte?

Kennen Sie Ihre Werte? Mein höchster Wert ist Aufrichtigkeit.  Vielleicht bekomme ich daher immer die Krätze, wenn ich Angebote bekomme wie „20 Kg weniger in 14 Tagen“ oder Einladungen zu Seminaren wie neulich „MBA in one day!“ Und dann noch obendrein mit dem Angebot für VIP-Karten, d.h. ich dürfte durch Zuzahlung in den ersten drei Reihen sitzen und am Vorabend der Veranstaltung den Referenten bei einem Drink besser kennen lernen. Mir stehen bei so etwas immer die Haare zu Berge.

1. Warum meint der Anbieter, mich anlügen zu müssen?
2. Warum muss für ein Seminar in Deutschland der Titel auf Englisch sein?
3. Welcher normal denkende Mensch glaubt, Betriebswirtschaft an einem Tag zu lernen?
4. Welche Denkweise hat ein Referent, der meint, Leute müssten mehr bezahlen, damit er bereit ist, mit ihnen zu reden?

Ich mag dieses ganze aufgeblasene Getue nicht! Ich mag es lieber bodenständig. Kein Mensch kann alles wissen, und kein Mensch kann alles können. Und darum finde ich es legitim und fair, anderen Menschen zu sagen, wenn ich etwas nicht weiß oder nicht kann.

Jede/r von uns ist doch schon auf eine individuelle Art toll und etwas Besonderes! Warum also sollte ich mich da künstlich aufblähen, um noch besser zu scheinen?  Macht es mich – im Gegenteil – nicht noch vertrauenswürdiger, wenn ich zugeben kann, etwas auch mal nicht zu können? Selbstverständlich sollte ich mich stets sehr gut vorbereiten und zu meinen Vortrags-Themen mehr wissen als meine Zuhörer, aber nie und nimmer als Superwoman im Überflug oder Guru daher kommen. Wichtig ist für mich, als Person zu wirken, alle Menschen in der jeweiligen Situation gleichwertig zu behandeln. Ich weiß, dass ich was kann und verlasse mich auf meine Kräfte – und dann brauche ich kein „mehr Schein als Sein“. Denn Papiertiger klappen bei den ersten Regentropfen in sich zusammen und sind dann nur noch ein jämmerlicher Haufen Altpapier …

Seit ich um meine Werte-Hierarchie weiß, verstehe ich auch besser, warum mich einige Verhaltensweisen so antriggern. Das beruhigt. Haben Sie schon mal Ihre Werte-Hierarchie erstellt? Es ist spannend zu erleben, dass dabei oft Werte, von denen man lange dachte, sie wären einem wichtig, in der Abwägung zu anderen Werten plötzlich nicht mehr die Bedeutung haben.

Probieren Sie es doch einfach mal aus. Machen Sie sich eine lange Liste mit Werten (Muster: Google „Werteliste“) und streichen Sie alle Ihnen nicht so wichtige Werte weg, bis am Ende nur noch 10 Werte übrig bleiben. Die stellen Sie sich dann jeweils gegenüber und entscheiden ganz schnell und spontan, welcher Ihnen wichtiger ist. Bitte nicht lange nachdenken und überlegen, ob dieser Wert gesellschaftlicher angesehen wäre oder Ihre Mutter ihn von Ihnen fordern würde, sondern nur aus dem Bauch heraus entscheiden. Wenn Ihnen die Wahl schwer fällt, dann wägen Sie ab. Zum Beispiel: „Will ich Freiheit ohne Kreativität oder will ich Kreativität ohne Freiheit?“ Machen Sie eine Strichliste und ermitteln somit Ihre Wertehierarchie.

Viel Freude beim Entdecken Ihrer höchsten Werte.
Ihre Christina Broda

21. August 2013
Kairos-Leittext

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