Von den Teilen zur Uhr zur Zeit

Von den Teilen zur Uhr zur Zeit zur Bedeutung. Heute möchte ich gemeinsam mit Ihnen ein Zitat von Aristoteles auseinander nehmen und wieder zusammensetzen. Ahnen Sie schon, welches ich meine? Genau, das ist es: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Warum ich mir das überlegt habe? Nun, immer wieder taucht das Zitat in unseren Gedanken, in Gesprächen, in Vorträgen auf. Und immer wieder dazu auch die mutige Frage: „Was genau ist damit gemeint?“ Beim Schauen nach einem passenden „Beispiel-Puzzle“ erinnerte ich mich an zwei Sätze, die den Unterschied zwischen Chronos und Kairos so treffend beschreiben. Chronos sagt uns, wie spät es ist. Kairos sagt uns, wie früh es ist. Und schon war das Beispiel geboren: Die Teile, die Uhr, die Zeit, …

Nehmen wir die Uhr also gedanklich auseinander und legen ihre Teile vor uns auf den Tisch. Was sehen wir? Zunächst einmal „einen Teller bunte Knete“. So nenne ich gerne viele verschiedene Dinge, die auf den ersten Blick wie wahllos zusammen gewürfelt wirken. Für einen Uhrmachermeister wird sich natürlich sofort erschließen. „Das ist doch eine Uhr.“ Und zusammengesetzt ist es auch gleich wieder zu erkennen. Ja, und wenn Sie jetzt denken „Das hätte ich auch gewusst und gekonnt.“, frage ich zurück: „Wirklich?“

Nun haben wir also „die Summe von Teilen“ zu einem „sinnvollen Ganzen“ zusammen gebastelt und bekommen eine Idee von dem „Mehr“ des neuen Ganzen. Genau: Es ist die Chance, Zeit zu sehen. Wenn … der Zusammen- bauer wusste, was er wollte, was er tat, worauf er beim Zusammensetzen
zu achten hatte und es dann am Ende auch schaffte, die Uhr zum Laufen zu bringen. Eine kleine Geschichte am Rande: Mein Vater hatte mal eine Tischuhr zum Reinigen auseinander genommen und wieder zusammengebaut. Sie lief nie wieder. (Sein Beruf war ja auch ein ganz anderer.)

So weit, so gut. Zitat erklärt. Fertig? Nein. Erst jetzt wird’s interessant. Denn erst an dieser Stelle stellen sich die diversen Fragen nach Punkt vier der Überschrift: der Bedeutung (Chronos und Kairos). Warum – wenn wir die Uhrmachermeister sind – möchte jemand die Uhrzeit nur und unbedingt von unserer Uhr gezeigt bekommen?

Weil sie so schick und modern ist? Weil sie die neueste Technik hat?
Weil sie auch gleichzeitig telefonieren kann? Weil sie so preiswert oder
so teuer ist? Weil sie jeder hat? Weil sie keiner hat?
Weil sie anzeigt, wie spät es ist? Weil sie anzeigt, wie früh es ist?
Oder gar weil sie von uns gebaut wurde?
Weil es ein Anliegen von uns war, genau diese Uhr zu bauen?
Weil es in uns ein starkes ‚Warum’ gab, das nur mit dieser Uhr beantwortet wurde?
Weil wir mit dieser Uhr das Warum anderer gleich mit beantwortet haben? Ist das alles womöglich Hinweis auf das wahre „Mehr“? Das tiefere „Mehr“. Das resonanzstärkste „Mehr“? …

An dieser Stelle schließe ich für heute und reiche noch einmal einen Link an Sie weiter, den uns Wolfgang („Wolf“) Roesch in einem Beitrag schenkte. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Sie, sehr geehrter Herr Roesch. Von den Teilen zur Uhr zur Zeit zur Bedeutung könnte auch heißen: Vom Warum zum Was … und das Wie ergibt sich. Ihnen allen wünsche ich von Herzen eine angenehme Woche und viele Menschen, die das Mehr Ihres Angebots in seiner ganzen Bedeutung wahrnehmen und daran teilhaben wollen.

Ihre Gabriela Linne

Kairos-Leittext 8. September 2010

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