Ihr Gedanken-Gewächshaus

Ihr Gedanken-Gewächshaus: Was haben Sie gepflanzt? Haben Sie schon davon gehört? Der Künstler Claus Bury hat eine begehbare Skulptur entworfen: „Das Gewächshaus für Gedanken“, eine Holzkonstruktion, sehr luftig. Um die Sicherheit für die Nutzer war ein Streit in seiner Heimatstadt entbrannt. Könnte womöglich ein Besucher (Denker) beim Besichtigen (Denken) herausfallen? Diese Skulptur stand auch schon in anderen Städten zur Besichtigung und Nutzung, aber dort gab es keine Bedenken. (FAZ 14.07.2010)

Ich las den Artikel, schaute mir die Skulptur an und dachte, „Mensch, haben die Denkprobleme“. Plötzlich durchfuhr es mich … Ja klar. Könnten in einem so „luftigen“ Gewächshaus die Gedanken der Besucher womöglich „durchlüftet“ werden? So dass „lieb gewordenes“ Gedankengut des Denkers quasi „verunglückt“? Hatte vielleicht der Künstler, der Erbauer des Gewächshauses genau das gewollt? Ich dachte: „Was alles könnte ein Besucher in das “Gewächshaus für Gedanken” hinein tragen und was könnte dabei passieren?“
Klar, in einem Gewächshaus werden Pflanzen, in unserem Fall Gedanken-pflanzen, gezogen, also wachsen gelassen. Aber: Können Gedanken wachsen? Und mit welcher Auswirkung? Schauen wir uns mal ein paar Pflanzen an:

Nehmen wir Sumpfblüten: Das sind Blumen, die schön sind, aber im Sumpf wachsen. Ein Sumpfblütengedankenpflänzchen lockt mit schönem Schein
aus feuchtem Grund und kann – wenn es zu feucht wird – „baden“ gehen.

Ein Gebück: Das „ist ein Annäherungshindernis in Form einer undurchdringlichen Hecke. Diese wird erzeugt, indem junge Bäume gepflanzt und deren Stämme nach unten gebogen (gebückt) und miteinander verflochten werden“ (Wikipedia). Gedankengebücke geben zwar vermeintliche Sicherheit, machen aber „dicht“ und können „Ungeziefer“ anziehen. Und von „dunklen Gesellen“ können sie doch mit „Axt“ oder „Feuer“ niedergerungen werden.

Oder Bambusgräser: Diese wachsen schnell und breiten sich gut aus. Ein Bambusgedanken-Pflänzchen gibt Schwung, hat Schwung. „Bambus geschmeidig fürchtet nicht den Sturm“ (Sprichwort).

Oder Dauerblüher: Das sind 329 verschiedene Gedankenpflänzchenarten, die alle auf ihre ganz eigene Art gepflegt schön und üppig wachsen. „Wer an sie glaubt, bringt sie zum Blühen.“

Wenn ich mir das so betrachte, ist so ein Gewächshaus für Gedanken äußerst praktisch. Es darf alles sein. Jede Gedankenpflanze quasi. Die eine schon groß, die andere noch als kleines Pflänzchen im Entstehen. Und alle sind erlaubt in MEINEM Gewächshaus. Und ich? Ich bin mein eigener Gärtner, gehe durch die einzelnen „Abteilungen“, schneide ab, binde an, lasse zu, hege und pflege. Fühle mich mal „sumpfig“, mal „dicht, gebückt“, mal voller Schwung und immer wieder üppig und schön.

Tja, aber warum ging das mit der „Skulptur“ schief? Die einen sorgen sich um die Sicherheit und die anderen erfreuen sich an der Skulptur. Haben die einen wohl zu viele Pflänzchen in der „Sumpfblütenabteilung“ oder in der Gebückabteilung? Und fürchten sich darum vor„Unfällen durch Baden-Gehen oder Axt und Brand“? Halt! Da fällt mir etwas ein. Wie oft habe ich schon versucht mein Gegenüber zu verstehen? Und obwohl ich ihm gut zuhöre, bleibt mir verborgen, was er sagt. Ob wir dann wohl in unterschiedlichen Abteilungen „gärtnern“, er andere Gedankenpflänzchen hat als ich? Veilleicht würde spätestens jetzt eine gegenseitige Gewächshausbesichtigung Sinn machen.

Gärtnern Sie doch nächste Woche einfach mal gemeinsam mit Ihren Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen. Vielleicht lernen Sie dabei ja ganz neue Gedanken-Pflanzensorten kennen. Und finden sogar die eine oder andere passende neue Sorte für sich.

Gabriela Linne und ich haben es ausprobiert. Wir haben zusammen in unserem Gedankengewächshaus diesen Artikel wachsen lassen und es hat riesigen Spaß gemacht.
Ihr Anke Bohl und Gabriela Linne

Kairos-Leittext 1. September 2010

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