Bauchgefühl, Intuition und Risiko

Wir stehen ständig vor Entscheidungen und wissen oft nicht, was hier und jetzt das Richtige ist. Noch weiterarbeiten oder pausieren? Sich auf jemanden einlassen oder sich zurückziehen? Den Job behalten oder Neues beginnen?

Dann sagt uns manchmal jemand: Folge deinem Bauchgefühl! Was heißt das? Haben wir im Bauch ein besonderes Entscheidungszentrum? Nein, sagt uns dazu Prof. Gigerenzer, dessen zentraler Forschungsgegenstand sein Leben lang das „Bauchgefühl“ war, in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (13./14.7.2013, V2/10): „Das Bauchgefühl sitzt im ganzen Körper und im Wesentlichen im Gehirn. Die Assoziation zwischen Intuition und Bauch ist eine deutsche. Im Amerikanischen nennt man es „guts“, das bedeutet Eingeweide, im Französischen ist es das Herz, im Spanischen oder Kroatischen oder vielen anderen Sprachen gibt es diese Assoziation gar nicht.“ Außerdem, so meint der Experte, sei es wichtig, „Intuition vom Weiblichen zu trennen, und auch von Willkür oder vom sechsten Sinn. Intuition ist eine Form von unbewusster Intelligenz. Intuition ist gefühltes Wissen, das man spürt, aber nicht begründen kann.“

Das ist schön gesagt. Mir bleiben aber Fragen. Das Bauchgefühl mag im Gehirn „sitzen“, wo hat es seine „Heimat“? Worauf ist diese unsere Intuition ausgerichtet? Wie verändert sich ihr „Interesse“? Was ist das für ein „Raum“, in den sie ein-sieht (intelligere =einsehen)? Es ist immer auch ein Zeit-Raum – was für einer? Was macht, dass ein Wissen, das ich fühle, wirklich ein Wissen sein kann, und nicht bloß eine subjektive Gewissheit? Diese Fragen sind weniger theoretisch als sie daher kommen. Erst wenn wir darauf klarere Antworten haben, wird die Forderung von Prof. Gigerenzer erfüllt werden können, die da lautet: „Was wir brauchen, ist eine Gesellschaft, die analytisches Denken und Intuition auf dieselbe Ebene stellt.“

Ich glaube, die Kairos-Wissenschaft kann inzwischen einige dieser wichtigen Fragen beantworten und damit erhalten auch unsere zentralen Lebensentscheidungen ein tieferes und klareres Fundament. Wie wichtig das ist, zeigt noch eine letzte These unseres Psychologen und „Risikospezialisten“: „Scheitern ist sehr viel besser als zögern. Wir leben nur einmal, und wer keine Risiken eingeht, lebt sein Leben gar nicht.“

Eine gute unternehmerische Sommerwoche wünscht Ihnen
Dr. Karl Hofmann

17. Juli 2013
Kairos-Leittext

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