Eine Kairos-Achtsamkeitsübung für jeden Tag

Die Frage nach dem Sinn einer Kairos-Achtsamkeitsübung bestätigt: Alle wollen achtsam sein. Doch täglich stellt sich die Frage: „Wie mache ich das?“ Dr. Karl Hofmann hat im Rahmen des
Studiengangs Kairos-Wissenschaft eine Übung entwickelt, die ich heute gerne an Sie weiterreiche. Ziel der Übung ist es, jeden Tag die Inhalte des eigenen Bewusstseins deutlich wahrzunehmen. Und sich so angemessen auf die eigene Kreativkraft, den eigenen Kairos einlassen zu können.

Nehmen wir als Beispiel ein Gespräch. Oft drücken wir hierbei unsere Gefühle, inneren Fragen oder Überzeugungen ins Unbewusste weg. Zuweilen reden wir anders, als wir gerade empfinden. Wir behalten für uns, was uns wirklich umtreibt. Die Kairos-Achtsamkeitsübung nach einem solchen Gespräch umfasst äußere und innere Wahrnehmungen. Wir stellen uns dabei folgende Fragen:

- Bin ich gerade meinem Kairos und seiner Kreativkraft gefolgt?
- Diente, was ich tat, der weiteren Entfaltung meiner Person?
- Ging ich wirklich in Resonanz mit dem anderen?
- Hatte ich meine Berufung im Blick?
- Habe ich versucht zu überzeugen oder zu erzwingen?

Die Kairos-Achtsamkeitsübung kann auch mithilfe eines Tagebuchs gemacht werden:

1. Ich setze mich entspannt hin und versetze mich in das Bewusstsein, mit allem hier und jetzt in Beziehung zu sein. Ich lasse den Wunsch aufleben, während des ganzen Tages in meinem Kairos-
Bewusstsein zu leben.

2. Ich bin einfach still und offen, horche darauf, welche Begebenheit aus dem Tag hochkommt. Wenn etwas auftaucht, achte ich darauf, auf welche Weise Kraft (die Kraft des Kairos) im Spiel ist. Ich spüre dem Gefühl der Dankbarkeit nach.

3. Dann achte ich darauf, auf welche Weise ich für die Entfaltung meiner Person oder anderer im Augenblick gegenwärtig war. War ich mir meiner Aufgabe, meiner Berufung bewusst? Habe ich mich
entsprechend verhalten?

4. Ich freue mich dankbar, wenn es mir gelungen ist.

5. Wenn ich mag, schaue ich auf eine weitere Begebenheit des Tages und wiederhole das
Vorgehen.

6. Am Ende meiner Beobachtungen schreibe ich alle Reaktionen, die mir wichtig erscheinen, kurz und knapp auf. Ist etwas Überraschendes dabei? Habe ich ein bestimmtes Muster entdeckt, wie
ich auf andere Menschen eingehe? Habe ich heute auf besondere Weise einen Kairos-Moment empfunden?

Täglich geübt, ist es eine hilfreiche Möglichkeit, die Erfahrung des Kairos im Herzen und in der Arbeit über einen längeren Zeitraum genau mitzuverfolgen. Im Lauf der Zeit entsteht ein aufschlussreiches Protokoll.

Zum Schluss heute ein zum Thema passendes Zitat von Frieder Lauxmann: „Den Kairos zu finden, das ist eine Form der Weisheit.“

Eine achtsame Woche wünscht Ihnen allen von Herzen
Gabriela Linne

21. November 2012
Kairos-Leittext

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