Ihr Handy ist weg. Verzweiflung? Freiheit?

Sie stehen an der Reling eines Schiffes. Plötzlich ein heftiger Windstoß. Ihr Handy fällt Ihnen aus der Hand und ins Meer. Ihr Handy ist weg. Wie reagieren Sie?

A) Keine Sorge. Alles ist gesichert. Ich habe immer auch ein zweites Handy dabei.
B) All meine Telefonnummern sind weg. Tränen. Weltuntergangsstimmung.
C) Ich hab’s geahnt. Schon als ich morgens aufstand. Ich Idiot! Warum habe ich nicht darauf geachtet. Jetzt darf ich es büßen.
D) Da ist nichts mehr zu machen. Ich versuche, es mit Abstand zu sehen. Etwas ist weg, was wir Menschen die längste Zeit unserer Geschichte in keiner Weise vermisst haben. Feiern wir unsere Freiheit, etwas zu haben und es wieder loslassen zu können.

Reaktion D gefällt mir. Ganz so weit war ich beim letzten Mal noch nicht. Doch denke ich mir:


Wir können jeden Tag daran arbeiten, freier zu werden. Es sind nicht die Dinge, die uns umbringen
können, wohl aber die Art und Weise, wie wir uns zu ihnen stellen. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, meinte, „dass jeder Verzweiflung nichts anderes zugrunde liegt als Vergötzung“
(V. Frankl, Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn, München, Zürich 1993, 104).

Wie wir in Beziehung sind zu unserer Welt und den Dingen in unserer Welt, das macht unser Leben aus. Es gibt keine schlechten Ereignisse, es sei denn, ich mache sie dazu. Wir werden allzu oft
Opfer unserer zum Teil verbohrten Erwartungen, Opfer unserer Verabsolutierung bestimmter Werte. Wir sehen nicht, dass sich „etwas“ durchaus „naturgemäß“ dagegen wehrt, uns bei deren
Erfüllung und Realisierung zu helfen. Um uns zu unterstützen, den Blick neu auszurichten. Einmal am Tag eine innere Umstellung zu vollziehen, ist für mich immer wieder ein Kairos-Moment.

Eine Woche voller Freiheit zu nehmen was kommt
Ihr Karl Hofmann

1. August 2012
Kairos-Leittext

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