Ein Leben ohne Stau. Ist das möglich?

Es ist Montagmorgen. Ich bin um 7:30 Uhr auf der A3 unterwegs und kann es kaum fassen. Keine Blechlawine, die sich Stoßstange an Stoßstange zur Arbeit quält. Oster-Montag! So fühlt sich ein Leben ohne Stau an!

„Dieses Gefühl kann Realität werden.“, sagt Stephan. Mit Stephan habe ich zusammen Physik studiert. Dort lernten wir, dass Wasser an Engstellen schneller fließt, damit kein Stau entsteht. Jetzt beschäftigt er sich mit anderen Gegebenheiten, arbeitet an einem Fahrassistenten, der Staus vermeiden und auflösen soll. Bei meiner Fahrleistung von 30.000 km pro Jahr ist meine Neugierde geweckt.

Die größte Herausforderung eines Fahrassistenten ist die Wirkung für uns selbst. Ein Stau vermeidendes Fahrverhalten nutzt nur den Autos hinter mir. Ich profitiere also nur vom Fahrstil der Vorausfahrenden. Ergo müsste ein Fahrassistent allen Fahrzeugen zugänglich sein und höflich bestimmt mit wenig Freiheit jeden Fahrer „zur Selbstlosigkeit bringen“. Zur Lösung dieser Aufgabe gehen die Forscher erst mal einen Schritt zurück und finden heraus, was denn überhaupt zum Stau auslösenden Fahrverhalten gehört.

Und hier bestätigt mich Stephan in meinen Vermutungen: Die Spurwechsel „Ungeduldiger“ zum Beispiel sorgen für mehr Stau, statt selbigen zu helfen, schneller durch den Stau zu kommen. Ebenso wirkt sich das zu dichte Auffahren aus, meistens durch die Bremswelle, die durch jeden Stau geht. Wer seinen Vordermann bremsen sieht, bremst auch. Doch statt der Gefahrensituation zu entgehen, war der Vordermann einfach nur zu dicht aufgefahren. Und bremst bei jeder Kleinigkeit zu stark.

Laut ADAC-Studien entstehen die meisten Staus durch Engstellen. Und hier sollten sich die Autofahrer wieder mehr wie Flüssigkeiten verhalten. Ein Wasser-Molekül würde immer bis zu der Stelle schwimmen, an der es sich einordnen muss, statt sich schon sehr früh in den Hauptweg einzufädeln und dann auch noch korrekt handelnden Moleküle das Einfädeln verwehren. … Oft frage ich mich, ob diesen Molekülen … Moment … Autofahrern entfallen ist, dass wir an Engstellen im Reißverschlusssystem die Fahrbahnen zusammen führen sollen. In einer Baustelle würde Wasser so nah wie erlaubt und so schnell wie möglich voran fließen und Unfallstellen ignorieren. Vorbei an der Engstelle, würde es dann sofort Gas geben. …

2011 haben wir übrigens mit 450.000 Staukilometern einen neuen Staurekord aufgestellt. Damit können wir mehr als elfmal um die Welt stehen und das mehrspurig! Bis wir wirklich staufrei leben können, werden wir uns noch in Geduld üben müssen, sagt Stephan. Obwohl: Wir könnten doch schon mal ohne Fahrassistenten anfangen. Puffer einplanen, schöne Musik hören, selbstloser fahren. … Oder?

Eine staufreie Fahrt wohin auch immer
Ihr InSzeneMagier Thorsten AbraXas Ophaus

11. April 2012
Kairos-Leittext

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