Kairos-Gedanke: Furcht ja, Angst nein!

Der Kairos-Gedanke: Furcht ja, Angst nein! kam jüngst beim Lesen von Hermann Hesses Satz: „Man hat keine Angst, wenn man mit sich selber einig ist.“ Mir scheint es wichtig, diesen Satz etwas genauer zu bedenken. Manchmal kommt es knüppeldick. Ein langjähriger Großkunde kündigt. Die Nachfrage bricht ein. Eine Mitarbeiterin will gehen. Der Partner verhält sich seltsam. Angst steigt in mir auf. Und mit dieser Angst bin umso mehr konfrontiert, als ich mein Leben von dem abhängig mache, was von außen abhängig ist. Ich liefere mich aus – an die Bewahrung intakter Beziehungen, an Kunden und Klienten, an gesellschaftliche Stürme, an Vorstellungen von Gesundheit, Erfolg, Glück.

Solche Angst ist zu unterscheiden von dem, was wir „Furcht“ nennen. Wo ich vernünftigerweise vorsorgen kann, um mich vor Schaden zu bewahren, habe ich das auch zu tun. Es ist sinnvoll, für bestimmte Ereignisse wie Autoreparatur oder Büroerneuerung etwas Geld zurückzustellen. Es ist sinnvoll, bei Abwesenheit die Haustür zuzusperren und auf das „Schau, trau, wem“ zu achten.

Etwas anderes dagegen ist jene Angst, die das Gegenteil von Lebensvertrauen darstellt. Das Problem: Vertrauen kann ich nur schwer organisieren. Aber eines kann ich tun: Den Boden bereiten. Ruft mir einer zu, der fröhlich im Wasser schwimmt „Komm! Das Wasser trägt dich. Es ist angenehm.“, dann fällt es leichter, sich ebenfalls auf die Kraft des Wassers einzulassen.

Genauso, glaube ich, bereitet es meinen Boden, wenn mir jemand zuruft: Lass dich ein auf deinen Kairos. In dir selbst liegt die Fülle deiner Lebensentfaltung. Achte auf deine ureigene Dynamik. Sie verlangt danach, dein Handeln zu durchdringen. Deine Lebenszeit ist erfüllt mit Potenzialen, wie unser „Raum“ von den Frequenzen der Radio- und Fernsehsender und unser Smartphone oder Computer von Informationen aus aller Welt. Jeder von uns ist eine Empfangsstation oder ein „Portal“ für die Botschaften des Kairos. Nicht nur des eigenen, sondern auch des Kairos der anderen, die mit mir unterwegs sind.

Ich lade uns alle ein, heute innerlich auf Empfang zu gehen. Ein Lächeln, eine Ablehnung, ein Auftrag, eine Kündigung – alles kann sich als Kairos erweisen. Lauschen wir auf die wahre Botschaft! Ist mein Produkt überhaupt noch aktuell? Bin ich überhaupt überzeugt von dem, was ich tue? Hat sich bei der Mitarbeiterin die Ausrichtung ihrer Lebensenergie geändert – und ich habe nichts davon gemerkt?

Es lohnt sich, manchmal inne zu halten und sich zu fragen, worin die Bedeutung dieses Hier und Jetzt liegt. Und manchmal mit anderen in eine Situation hineinzuhören. Um mit sich und der Lage „einig“ zu werden.

Eine gute angstfreie Woche
Ihr Karl Hofmann

7. März 2012
Kairos-Leittext

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