Lebensfalle Demütigung! Ist Rauskommen möglich?

KAIROS-GedankeLebensfalle Demütigung! Ist Rauskommen möglich?
Heute kann ich nicht mehr genau nachvollziehen, wie lange mich das Thema „Demütigung“ schon beschäftigt. Übrigens ohne auch nur ansatzweise zu ahnen, dass es sooo heißt. In meinem Bauch wirbelte – seit ich „denken“ kann – ein Gefühl umher, das ich immer mit den Worten beschrieb: „Irgendetwas stimmt hier nicht!“ Nur was? Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Erwachsen-werden-Zeit und die Fragen an meine Mutter: „Warum können Menschen sich nicht einfach lassen, wie sie sind? Warum müssen sich Menschen quälen?“ Sie konnte darauf nur antworten: „So ist es eben.“ Nach zahlreichen Studien und der Beschäftigung mit allen mir begegnenden Lebensthemen fand ich vor geraumer Zeit eine Erklärung. Und entdeckte eine „Falle“, in der viele Menschen immer wieder landen. Sie trägt den Namen „Demütigung“. Der Begriff alleine löst in mir schon genau das Unbehagen aus, das ich seit meiner Kindheit kenne. Gefunden habe ich ihn übrigens auf der Suche nach der Liebe, unter anderem in einem religiösen Erklärungsmodell, in dem ich las: Liebe ist Demut. Bei diesem Satz stockte ich: Ist Liebe wirklich Demut?? Was ist denn Demut überhaupt? Unterwürfigkeit? Selbsterniedrigung? Doch wenn ich in Demut lebe, demütige ich mich doch selbst?! Oder lasse mich demütigen!?

So stand ich nun da mit diesem Begriff: Demütigung?! Und sah plötzlich zwei Gefühlsräume: Auf der einen Seite den Raum der Demütigung (Demut), in dem auch das Gedemütigt-Werden stattfindet. Auf der anderen Seite den Gegensatzraum des Hochmuts, des Übermuts. Und damit den Raum der Demütiger (denn irgendeiner muss ja für die Demütigungen sorgen). Getroffen von der Erkenntnis begann ich, erst einmal mich selbst und dann die Welt um mich herum zu beobachten. Mir fiel auf: Die meisten Menschen bewegen sich (unbewusst) ständig zwischen diesen beiden Räumen hin und her. Entweder fühlen sie sich gedemütigt – und damit meine ich natürlich auch die kleinen, feinen Demütigungen im menschlichen Miteinander. Von denen uns die ersten schon in Kindheitstagen begegnen. „Ach lass mal, das kannst Du doch nicht!“ Und vieles, vieles mehr. Oder sie verhalten sich wie Demütiger – und damit meine ich auch die gut gemeinten Besserwissereien, Ermahnungen, ungefragten Ratschäge inklusive aller abwertenden Gedanken. …

All mein Wissen aus Jahrzehnten durchlief diese beiden Räume und landete entweder links oder rechts (egal, an welcher Seite Sie welchen Raum platzieren wollen). Und mein ganzes Unbehagen aus meiner Kindheit war plötzlich wieder da. Hinein geboren war ich in eine Familie, in der „meine Demut“ mich „schüchtern“ lebensfähig und lernwillig machte. Im Erwachsenenleben wollte ich mir dann die „andere Seite“ antrainieren, fühlte mich dort aber auch nie wohl und glücklich. Und nun?

Meine immer noch andauernden Studien nach der LIEBE haben mich tatsächlich fündig werden lassen. Es gibt ein Rauskommen aus den beiden genannten Räumen über einen Weg, von dessen Existenz ich bei Armin Risi las. Er heißt: „Der radikale Mittelweg“. Ein tief wurzelnder Weg, der weder das Gedemütigt-Werden noch das Demütiger-Dasein braucht. In den Kairos-Workshops mache ich ihn gerade mit und für die Teilnehmer begehbar. Kommen Sie dazu, wenn es Sie interessiert. Ansonsten werde ich weiter berichten.

Einen friedlichen Sonntagabend und herzliche Grüße
Gabriela Linne

Kairos-Brief 1. Mai 2016

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