Das Neue: heiß ersehnt und doch …

KAIROS-GedankeDas Neue: heißt ersehnt und doch … Wieso ist es nur so schwer, Neues, Schönes in das Leben zu lassen? Wieso ist Neues oft heiß ersehnt und doch so zäh zu holen? Das „Neue“ klingt aus dem Wortbegriff zunächst so, wie Kinder intuitiv ihre Welt erobern. Will ich haben! Ist das spannend. Aufregend. Bereichernd. Lebendig. Das „Neue“ hat jedoch irgendwann noch andere Bedeutungen bekommen: Oh, wie verwirrend! Gefährlich! Besitz ergreifend! Lähmend! … Und bringt eben auch Gefühle des Loslassens, des Abschieds, des Fremdelns in unser Leben. Ganz automatisch. Weil es „Altes“ ablöst. Auf jeden Fall heißt „Neues“ auch Wandlung, Distanzierung, Veränderung. Und warum soll Veränderung jetzt so schwierig sein, obwohl so viele wie die Kinder immer wieder danach streben?

Die Antwort hat zwei Aspekte: Intuitiv (von ihrem Kairos geleitet) wollen Menschen dem Urtrieb nach Entfaltung folgen. Nachdenkend – oder besser voraus denkend – wider-setzen sie sich dann aber doch lieber dem Neuen. Es könnte ja, … Oh je!!! … Sie wider-setzen sich selbst Gelegenheiten, die sich schöner, leichter, richtiger anfühlen. Denn: Ganz langsam schleichend setzt sich im Leben mehr und mehr die Neigung durch, doch lieber in der gewohnten Umgebung = Energie zu bleiben. In der es sich so schön ruhen lässt. Komme, was da wolle.

Manche nennen es Komfortzone. Manche nennen es Sicherheit. Die Gründe dafür sind so vielfältig, wie es Menschen gibt. Doch der Urtrieb nach Entfaltung bleibt und ruft immer wieder. Bei manchen immer leiser, tief im Inneren vergraben. Bei anderen sicht- und hörbar laut im Außen. Durch Krankheit zum Beispiel. Oder Misserfolge. Oder Schwermut.

Was hilft, dem Neuen Raum zu geben, ist MUT. Mut zur Wandlung. Mut zur Veränderung. Mut zum Loslassen. Mut zur eigenen Kraft. Mut zum eigenen KAIROS: Mut zum eigenen Leben. Dazu passt aus „Stufen“ von Hermann Hesse: „Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in and’re, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

So ist der Ruf nach Neuem ab jetzt viel besser zu verstehen: heiß ersehnt und gut beschützt – wenn die Zeit dafür reif ist.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute „neue“ Woche
Ihre Gabriela Linne

Kairos-Brief 3. März 2016

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