Ist Lächeln mutig?

Ist Lächeln mutig, wenn Sie einem fremden Menschen begegnen? Wie reagiert Ihr Körper? Die meisten Menschen fühlen sich in einer solchen Situation unsicher. Sie schauen weg. Selbst wenn sie mit dieser Person zu tun haben, gehen Sie auf Abstand. Nur wenige lächeln! Ist Lächeln dann mutig? Für die Klärung der Frage möchte ich mit Ihnen 10.000 Jahre zurück reisen. Viele unserer Verhaltensweisen sind im Reptilienhirn verankert. Diese Verhaltensweisen entstanden, als wir noch Jäger und Sammler waren. Damals gab es oft nur zwei Möglichkeiten bei einer ersten „fremden“ Begegnung. Kampf oder Flucht. Doch was machte der Steinzeit-Otto-Normal-Bürger, wenn ein Kampf für ihn aussichtslos oder gar beängstigend und Flucht ausgeschlossen war? Dann galt es dem Gegenüber so harmlos wie möglich zu erscheinen. Um den Kampf von vornherein abzuwiegeln. Also wurde gelächelt.

Beim Lächeln werden nämlich unsere Augen groß und das Gesicht wirkt breiter. Es ist das Gegenteil von einem angestrengten und fokussierten Blick kurz vor dem Angriff. Das Gegenüber spürt statt dessen Offenheit. In der Position des Lächelns fällt es jedem schwerer, sich auf einen Kampf zu konzentrieren. Aus der Sicht eines Steinzeitmenschen wäre das Anlächeln eines Fremden also feige statt mutig. Doch die Welt hat sich gewandelt. Unser Gehirn hat sich gewandelt.
Mit der großen Zahl Menschen kamen gesellschaftliche Verhaltensweisen, die im Großhirn verankert sind. Und nun entbrennt bei einer ersten „fremden“ Begegnung ein Kampf zwischen Reptilienhirn und Großhirn. Das Reptilienhirn will immer noch fliehen oder kämpfen. Das Großhirn entscheidet gleichzeitig, ob ich meinem Gegenüber offen entgegentrete. Und sofort warnt das Reptiliengehirn, dass mein Gegenüber falsch spielen könnte. … Was nun? Lächle ich getarnt offen = feige und falsch, um harmlos zu wirken? Oder überwinde ich mein Reptilienhirn und zeige ehrlich offen = mutig ein offenherziges Lächeln. Ich bin mir sicher, Sie kennen den Unterschied.

Auch wenn das „lang bewährte“ Reptilienhirn uns zu einem feigen Lächeln animiert, dürfen wir ruhig unserem jüngeren Großhirn vertrauen. Es motiviert uns nämlich, mutig mit einem herzensoffenen Lächeln jedem unserer Mitmenschen zu begegnen. Mir gefällt das eindeutig besser. Und Ihnen?

Eine mutig lächelnde Woche
Ihr Thorsten AbraXas Ophaus

7. Dezember 2011
Kairos-Leittext

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