Kairos-Resonanz: Haben Sie Ihr Gegenüber lieb?

Eine typische Kairos-Resonanz-Frage lautet: “Haben Sie Ihr Gegenüber lieb?” Die Frage mutet wahrscheinlich etwas komisch an, stimmt’s? Ich stolperte neulich über sie, als ich mich mal wieder über mich selbst ärgerte. Folgendes war passiert: In einem Verein, dem ich schon seit Jahren angehöre, hatte die Leitung gewechselt. Und prompt änderte sich auch der Tonfall in den Rund- schreiben stark, was mir sehr missfiel.

Als wieder ein Rundschreiben „mit vergriffenem Tonfall“ zu mir ins Mailfach flatterte, hatte ich genug und kündigte per Mail. Fühlte mich allerdings wegen der langen Zugehörigkeit verpflichtet, statt der formlosen Kündigung eine Begründung nachzuliefern. Ich formulierte sie – meiner Ansicht nach – ziemlich nett und verschleierte den eigentlichen Grund: meinen Ärger über die Ausdrucksform des neuen Vorstands. Ich fand den Typ beim Lesen seiner Rundschreiben nämlich einfach nur „doof“.

Alles per Mail abgeschickt, war ich mit mir und meiner Welt völlig im Reinen. Am nächsten Tag  bekam ich eine Mail, die ich mir hinter den Spiegel stecken konnte. Besagter „Typ“ hatte mir zurück geschrieben, alle meine Argumente um die Ohren gehauen und mir zu verstehen gegeben, dass er kein Verständnis für meine Begründungen zum Austritt habe. Und somit ich also für ihn „doof“ sei. Nun kam ich ins Grübeln. Warum war das nur so schief gegangen. Ich wollte „eigentlich“ nur nett sein, keinem „weh“ tun und niemandem sagen, dass mir sein Tonfall missfiel. Nein, ich hatte beim Lesen des letzten Rundschreibens doch nur eine Konsequenz für mich getroffen: Ich war ausgetreten.

Und dann ging mir ein Licht auf. In dem Moment, als ich meine Mail verfasste, habe ich tatsächlich an den „doofen Typen“ gedacht und weniger an die Tatsache, dass sich durch ihn der Ton verändert hat. Das wiederum lag offensichtlich spürbar zwischen meinen Zeilen. Und das wiederum wurde nun mir in seinem Schreiben zurück gespiegelt. Ooh! Fragen Sie sich jetzt vielleicht: „Wie geht das denn anders?“ Die Antwort ist verblüffend. Haben Sie Ihr Gegenüber lieb! Anders formuliert: Wertschätzen sie ihn. Egal, was passiert. Auch wenn er oder sie sich „im Ton vergreift“. Sofern Sie mit oder ohne Ärger Ihr Gegenüber für „doof“ halten, verlieren Sie die Wertschätzung für den Menschen. Und das kommt garantiert als Bumerang zu Ihnen zurück.

Probieren Sie es aus. Und überlegen Sie mal: Möchten Sie mit jemandem kommunizieren, der Sie für „doof“ hält?

Eine wundervolle, wertschätzende Woche
Ihre Anke Bohl

23. November 2011
Kairos-Leittext

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>