Was ist, leistet Widerstand.

Dr. Karl Hofmann

Dr. Karl Hofmann

Was ist, leistet Widerstand. Warum fällt es uns so schwer, Neues zu verkraften? Fehlt es uns am richtigen Zugang? Liegt es daran, dass wir nicht genügend offen sind oder es nicht genügend stark wollen? Aus kairologischer Sicht gibt es den schlicht offenen Zuhörer nicht. Keiner ist neutral. Wir sind füreinander nicht einfach Material, das zu bearbeiten ist, und nur entsprechende Impulse braucht, um zu Neuem durchzustarten. Das eigene Denken und Wollen ist mit einer bestimmten Energie angereichert. Sie neigt dazu, dem Verändernden zu widerstehen – und zwar in dem Maße, in dem das Alte noch für uns bedeutsam ist. Denn darin verbirgt sich eine verborgene Energie des In-Beziehung-seins. Was wir als stur, uneinsichtig, starr, ideologisch beurteilen, ist oft nur Ausdruck einer starken inneren Bindekraft, die manchmal mit der Lebensphase, manchmal mit der Generationsschichtung, manchmal gar mit jahrhundertealten Mustern zusammenhängt.

Und selbst dort, wo der Widerstand überwunden ist, wird nur das verinnerlicht, was den eigenen Denk- und Handlungsmustern entspricht. Wir greifen das auf, was uns verspricht, dadurch zu einer echten Persönlichkeit ausreifen zu können. Was wir für gut halten, arbeiten wir in diesem Sinne um, bis es für die eigene Kraft repräsentativ ist.
Es gehört zur Kairos-Nüchternheit, diesen „naturgegebenen“ Widerstand einzukalkulieren. Widerstände lassen sich durchaus überwinden, aber es kostet meist mehr Kraft, als wir gewöhnlich einrechnen. Was uns bei anderen rasch auffällt, dafür sind wir bei uns selbst oft blind. Und daher brauchen wir manchmal „Hebammen“ für das, was bei uns Gestalt werden will.

Ich wünsche Ihnen für diese Woche einen gelassenen Blick auf Widerstände, die nicht aus „bösem Willen“, sondern aus bedeutungsvollen Kräften erwachsen. Ihr Karl Hofmann

Kairos-Brief 21. Oktober 2015

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