Was ist denn ein staatlich geprüfter Chef-Leider?

Ein staatlich geprüfter Chef-Leider ist ständig auf der Suche nach Leid. Er steht morgens auf, macht sich fertig für sein Tun in Ihrem Unternehmen und beginnt vehement und mit viel
Engagement sofort mit seiner Arbeit. Er schaut sich um nach Haken und Ösen. Er suche Haare in Suppen. Er beobachtet, ob auch alle Mitarbeiter Ihrer Firma schön leidvoll gucken und
so ihren Aufgaben nachgehen. Sollte jemand aus Versehen einmal guter Dinge sein oder gar
lächeln, schreitet er sofort ein und erinnert daran, die Arbeit wie bisher leidvoll zu verrichten. Damit die Ergebnisse berechenbar bleiben. Läuft alles nach seinen Vorstellungen, setzt er sich
hin und sucht nach weiterem Leid in der Zukunft. Überlegt sich, wie er mit vorweggenommener leidvoller Anteilnahme schon jetzt die nächsten Projekte konzipieren kann.

Denn dummerweise kommt es immer wieder vor, dass Mitarbeiter es wagen, vertrauensvoll in die nächsten Monate, gar ins nächste Jahr zu blicken. Dem muss permanent ein Riegel vorgeschoben werden. Deshalb ist der Chef-Leider auch so gut trainiert. Gelernt hat er sein Wissen schon ganz früh. Hat sich angeschaut, wie Unternehmen funktionieren und sich sofort für das staatlich anerkannte Leid-Studium mit umfassender Abschlussprüfung in viele Geschäftsbereichen entschieden. Und hat meist die Kernfächer Jammern, Meckern und Kritisieren gewählt. Das Nebenfach Tratschen ist in der Ausbildung auch immer sehr beliebt. Damit waren halt die vielfältigsten Möglichkeiten gegeben, einen gut bezahlten Job zu finden.


Freuen Sie sich gerade, weil Sie denken: „Ich bin ja Einzelunternehmer und habe gar keine Mitarbeiter!“ Oh, welch ein Glück. Nur, wissen Sie was: Die Chef-Leider finden auch Job als Gehilfen in unserem Inneren. Diese Jobs sind übrigens sehr beliebt. Denn sie sind meistens eine Anstellung auf Lebenszeit. Also noch einmal die Frage: Haben Sie einen staatlich geprüften Chef-Leider in Ihrer Firma?
Und wenn Sie sich jetzt am staatlich geprüften festhalten, dann so: Haben Sie einen Chef-Leider in Ihrem Unternehmen? Die heimlichen zählen übrigens mit. Auch die eigenen heimlichen.

Weiter: Wollen Sie sie oder ihn wirklich behalten? Was wäre, wenn Sie ihn entließen? Wie würde wohl Ihr Unternehmen laufen ohne Jammern, Meckern, Kritisieren und Tratschen? Wen könnten Sie stattdessen einstellen? Was müsste er oder sie studiert haben? … Stellen Sie sich vor, Sie stellen sofort einen staatlich geprüften Chef-Freuer ein. Sie finden bestimmt auch einen, der ihr eigener heimlicher sein will. Das wäre doch was, oder?

Ihnen allen eine angenehme Woche mit Ihrem neuen „Mitarbeiter“
Gabriela Linne

19. Oktober 2011
Kairos-Leittext

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