Kairos-Frage: Haben Sie sich lieb?

Wie beantworten Sie die Kairos-Frage: “Haben Sie sich lieb?” Bestimmt kennen Sie das, diese Unzufriedenheit mit sich selbst. Dieses Gefühl, noch weit hinter seinen Vorstellungen zu leben und noch nicht da und dort angekommen zu sein. Und schließlich ist da noch der eigene Kontostand, der noch so viel besser werden kann. … Viele von uns kommen zu dem Schluss, es müssen neue Methoden und Techniken her, um an der Großbaustellen „Wie werde ich so, wie ich sein will?“ schneller voranzukommen. Neue Selbstentwicklungswerkzeuge werden ausprobiert und irgendwie landen viele im Nahkampf mit sich selbst. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Schließlich habe ich eine jahrelange ansehnliche Karriere als „Nahkämpfer mit mir selbst“ durchlebt.

Am Wochenende nutzte ich die Gelegenheit eines längeren Strandspazierganges und dabei fiel mir einiges auf. Das sonnige Wetter führte zu einem lebhaften Treiben am Strand. Ich hatte meine Freude, die vielen Vorgänge zu beobachten. Da gab es:

- Kinder, die ausgelassen rumtobten
- Väter, die eifrig Sandburgen bauten
- Angler, die geduldig ihre Köder präparierten,
- Omas und Opas, die mit Kindern spielten
- Jogger
- Menschen, die in Gespräche vertieft am Strand spazieren gingen
- Menschen, die sich in ein Buch vertieften
- oder andere, die einfach die Sonne genossen …

Trotzdem allen Treibens mit Kindergeschrei usw. bemerkte ich eine Art Harmonie, die über dem Ganzen lag und irgendwie Alles mit Allem verband. Erst war es eine unbewusste Wahrnehmung, eher eine Ahnung, und dann wurde es langsam deutlicher. Später – genauer gesagt erst am nächsten Tag, als ich erneut das Treiben beobachtete – wurde mir klar, um was es geht:

Diese Menschen, taten einfach, was Sie liebten und waren frei von dem was Sie sein sollten oder müssten. Ja, hier am Strand konnte jeder das tun, was er im Tiefsten seines Herzen gerne tun wollte. Diese Menschen hörten also auf sich und gaben sich Raum und Zeit für ihre Neigung. Deshalb gab es diese Harmonie trotz des regen Treibens. Das ist doch, was wir suchen? Stimmt’s? Dieses selbstvergessene Tun, das unserem inneren Sein entspricht. Das wirklich Tolle an der Sache: Es braucht keinen Kampf um etwas, sondern es ist eher ein Zulassen, von dem was in uns ist. Wie heißt es so schön im Lied „Zieh Deinen Weg“ von Herbert Grönemeyer:

Zier Dich nicht.
Versuch zu sein und nicht zu scheinen.
Genieße Dich.
Binde dich nie an nur eine Idee, verschreib dich nicht nur einer Idee.
Zier dich nicht.
Bleib mit dir im Reinen.

Wenn Sie sind, was Sie sind, ohne Schein-Image und ohne das übliche
Tamtam, was Sie sein sollten und müssten: Dann sind Sie einfach ein
Glück, und zwar für sich und für die anderen.

Wie kommen Sie dorthin? Ganz einfach. Mit Selbstliebe. Lieben Sie sich doch selbst so, wie Sie Ihre größte Liebe Ihres Lebens geliebt haben. Warum denn nicht? Schließlich sind Sie das schönste Geschenk was es gibt, oder? Können Sie sich vor dem nächsten Spiegel stellen und zu sich selbst sagen, dass Sie sich lieb haben? Ist es Ihnen gelungen? Machen Sie einfach weiter.

Eine Woche des Dranbleibens
Erhard Golla

28. September 2011
Kairos-Leittext

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>