Erst Zweifel, dann bester Mitarbeiter.

Erst Zweifel, dann bester Mitarbeiter? Wie häufig beginnen Sie ein Gespräch mit den beiden Worten: „Ich denke, …“ und führen den Satz fort mit „… dass ich noch mal überlegen muss …“. Was verbirgt sich hinter solchen Satzkonstruktionen, wenn Sie mal ganz ehrlich in sich hinein horchen? Ja, oftmals unser so vertrauter Gedankenkollege, genannt Herr oder Frau Zweifel. Ach herrje, da sind sie schon wieder. Gerade noch von meinem tiefen inneren Wissen beeindruckt, heben sie den Finger und legen los. … Wie lästig ist Ihnen allen Ihr „Herr Zweifel“ oder Ihre „Frau Zweifel“? So sehr, dass Sie sie am liebsten loswerden möchten? Die meisten wissen: Familie Zweifel ist sehr penetrant. Immer wieder ist sie ein Thema unter Unternehmerkollegen.

So kam ich mal wieder ins Denken, um nach einer geschickten Zweifel-Loswerde-Strategie Ausschau zu halten: „Herr Zweifel, Frau Zweifel, Ihr seid mir doch unlängst beim Lesen begegnet!?“ …. Ah, richtig bei Descartes. „Nicht zu Beginn einer Denkbewegung verfügen wir über Wissen, sondern am erst am Ende.“ Und schon war ich beim „methodischen Zweifel“ angekommen. Moment! … Wie lauteten noch die Regeln des methodischen Zweifelns?

Regel Eins: Niemals eine Sache für wahr annehmen, ohne sie als solche genau zu kennen. Das heißt, sorgfältig alle Vorurteile vermeiden und nur in mein Wissen aufnehmen, was sich mir klar  und deutlich darbietet.

Regel Zwei: Jede zu untersuchende Frage in möglichst viele kleine Fragen zur besseren Beantwortung auflösen.

Regel Drei: Mit den einfachsten und leichtesten Fragen beginnen. Erst nach und nach zu den verwickelten vordringen.

Regel Vier: Am Ende noch einmal alles durchzählen und im Allgemeinen überschauen. Damit das Übersehen einer anzweifelbaren Details vermieden wird.

Ja, so kann es gehen. Statt sich andauernd mit Herrn oder Frau Zweifel anzulegen und sie fortschicken zu wollen, erhalten sie von uns Zweifel-Aufgaben. Und zwar richtig anstrengende. Rainer Maria Rilke hat das übrigens so beschrieben: Zitat „Und Ihr Zweifel kann eine gute Eigenschaft werden, wenn Sie ihn erziehen. Er muss wissend werden. Fragen Sie ihn, sooft er Ihnen etwas verderben will, weshalb etwas ‚hässlich’ ist. Verlangen Sie Beweise von ihm. Prüfen Sie ihn. Und Sie werden ihn vielleicht ratlos und verlegen, vielleicht auch aufbegehrend finden. Aber geben Sie nicht nach. Fordern Sie Argumente und handeln Sie aufmerksam und konsequent, jedes  einzelne Mal. Und der Tag wird kommen, da aus einem ‚Zerstörer’ einer Ihrer besten Mitarbeiter wird. Vielleicht der klügste von allen, die an Ihrem Leben bauen.“ Zitat Ende

Super. Das gefällt mir jetzt. Und gebe es gleich an Sie weiter. Und für alle, die diesen Umgang mit Familie Zweifel zu anstrengend finden … Nun: „Vielleicht überlegt Ihr es Euch doch noch mal, beste Mitarbeiter werden zu wollen …“

Eine angenehme Woche mit vielen klugen Zweifel-Arbeitern
Gabriela Linne

17. August 2011
Kairos-Leittext

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