Eine Sandburg bauen, bevor Sie Wichtiges besprechen.

Eine Sandburg bauen, bevor Sie etwas Wichtiges besprechen? Haben Sie überhaupt schon einmal eine richtig schöne Sandburg gebaut? Jeden Sommer strömen viele Bauwillige mit Schaufel und Eimer bewaffnet an die Strände. Und da, da stehen sie: Die Sandburgen. Wer jetzt nur an Kinder denkt, der irrt. Ich habe es selbst am südfranzösischen Strand, quasi „undercover“, getarnt als Urlauberin, beobachtet. Denn um mich herum ist kräftig gebuddelt worden.

Meistens fangen die Kinder an und die Eltern unterstützen sie tatkräftig. Dann kommt’s: Das Kind verliert die Lust. Trotzdem bauen die Mutter aber öfter noch der Vater versonnen weiter. Und das mit Ausdauer. Da werden tiefe Gräben gezogen, und die Türmchen und Verzierungen sind liebevoll kreiert. Eine Sandburg ist schöner als die andere. Ein Vater hat zusammen mit seiner Tochter eine Sandburg gebaut. Die Tochter stellt oben auf den höchsten Turm ihre Barbie-Puppe und der Vater stellt sechs fresswillige Plastik-Haifische unten an den Burgberg. Was wollen uns die beiden wohl damit sagen? Das Mädchen möchte vielleicht eine Prinzessin auf einer Burg sein, die von ihrem Prinzen gerettet wird. Und der Vater mit seinen Haifischen??? Der mag vielleicht keine Barbie Puppen und möchte sie deshalb lieber fressen oder gefressen sehen? Egal, was die beiden sich vorgestellt haben, die Frage ist doch:

Was treibt uns Erwachsene zur Schaufel? Schaue ich den beiden ins Gesicht, glaube ich: Es ist das Spielen, das Versenken ins Spiel, für den Vater, wieder Kind sein zu dürfen und zu können. Und dabei sehr kreativ. Spielen macht Spaß. Im Spiel kann ich mich gehen lassen, so sein wie ich will. Und ich kann sogar verschiedene Spielausgänge probieren.
A) Die Barbie stürzt und die Haie des Vaters verschlingen sie.
B) Ein holder Prinz kommt mit dem Boot, schlägt den Haien kräftig eins auf das Maul. Und handzahm geleiten sie ihn an das Ufer, wo die holde Barbie-Prinzessin schon auf ihn wartet.
Und vieles, vieles mehr … Es bleibt ein Spiel in der Fantasie. Ohne Nebenwirkungen und ohne Schmerz. Einfach schön.

Was habe ich nun als Unternehmerin von meinen Beobachtungen? Nachdem ich den beiden so zugeschaut habe, bin ich selbst ins „Spielen“ gekommen. Ich habe mir die unterschiedlichsten Ausgänge für „Barbie und die Haie“ einfallen lassen. Und da viel es mir wieder ein. Mein Vater sprach früher immer von „Sandkastenspielen“, die er bevor er in eine wichtige Sitzung ging, gespielt hat. Er meinte Gedankenspiele mit unterschiedlichen Ausgängen ohne Schmerzen und Nebenwirkungen. Nur so als Spiel.

Da haben wir sie wieder: die Sandburg, aber ohne Sand. Eben nur im Hirn. Sollten Sie es an dieser Stelle verwirrt sein, greifen Sie zur Schaufel und probieren Sie aus, eine Sandburg zu bauen. Egal ob am Strand oder im öffentlichen Sandkasten oder nächstgelegenen Blumenbeet. Spüren Sie den Flow des Spiels und genießen Sie die Ideen, die Ihnen nun nur so entgegenspringen. Und dann? Gehen Sie in Ihre Besprechung.

Eine buddelige Woche, mit oder ohne Sand
Anke Bohl

27. Juli 2011
Kairos-Leittext

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