Archiv für den Monat: März 2016

Ein hohes Ziel ist erreicht! Und dann?

KAIROS-GedankeEin hohes Ziel ist erreicht! Und dann? Sehr häufig ist bei Menschen um uns herum und auch bei uns selbst zu sehen: Wenn ein sehr hoch aufgehängtes Ziel erreicht wurde, hängt man regelrecht durch. Erfolgreiche Menschen erleben immer häufiger Burnout-Syndrome. Manche machen danach ein ganzes Jahr Pause. Unsere Sprache führt uns auch noch in die Irre: Die Ehelichung zum Beispiel nennen wir „Hoch-Zeit“. Wir könnten sie ja auch „JA-Zeit“ nennen. Und in der Mathematik lernen wir den absoluten Hochpunkt oder das absolute Maximum kennen. Was sich immer so anfühlt, als müssten wir das unbedingt mal in unserem Leben schaffen. Das absolute Maximum erreichen, meine ich damit. Und dann? Was gibt es denn noch nach dem absoluten Maxi-mum und der Hoch-Zeit? Noch mehr Maxi und noch höher als hoch. Oder geht’s von nun an nur noch bergab? Woran mag es wohl liegen, dass nach dem kurzen Gefühl des „Ich habe mein höchstes Ziel erreicht!“ die Leere folgt? Haben wir etwa zu viel gekämpft? Haben wir zur falschen Zeit gekämpft? Haben wir zu viel Energie verloren? Haben wir etwas im falschen Moment erzwungen? Haben wir so viel Wichtigkeit draufge-legt, dass gleich mal die Nivellierungskräfte wirksam wurden?
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Sag JA und handle!

KAIROS-Gedanke Sag JA und handle! „Er war alt, sehr alt, sehr gebrechlich, lungenkrank. Der Gang schlurfend, der Körper gebeugt, der Kopf gesenkt. Die Hände geschwollen, die Finger verkrampft. Er ging zum Klavier hin-über, noch vor dem Frühstück. Ein Instrument, das er meisterhaft beherrschte. Mit großer Anstrengung legte er seine Finger auf die Tastatur, veränderte seinen Körper, seinen Zustand. Und dann geschah das Unglaubliche: Plötzlich bewegte er sich und begann zu spielen. Die Finger lösten sich aus der Verkrampfung und streckten sich den Tasten entgegen, wie sich die Blüten einer Pflanze dem Sonnenlicht entgegenstrecken. Sein Rücken straffte sich. Er schien freier zu atmen. Er saß geschmeidig, erhaben, völlig gelöst. Nach einigen Stücken stand er auf. Hoch aufgerichtet, viel größer als vorher, schritt er zum Frühstück und machte anschließend einen Spaziergang.“ Eine Geschichte über den legendären Cellisten, Komponisten, Dirigenten Pablo Casals. Wie kam er dorthin?

Er war überwältigt vom Spiel, von den Tönen. Zu dem, was er tat, sagte er aus tiefstem Herzen JA und handelte. Er ging einen langen Weg mit Licht und Schatten. Doch alles, was er tat, gab seinem Leben Schönheit, Erhabenheit, Größe. Was er tat, hielt ihn vital.

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Mut zum eigenen Leben …

KAIROS-GedankeMut zum eigenen Leben heißt manchmal Mut zum Schmerz.
Vor einiger Zeit wurde ich von einem klugen Jungen gefragt: „Gabriela, warum sagst Du manchmal: Mut zum eigenen Leben ist manchmal schmerzhaft. Mut zum eigenen Leben heißt also manchmal Mut zum Schmerz.“ Mmmh, eine große Frage. Nach einigem Nachdenken gab ich folgende ausführliche Antwort: „Wenn wir GEGEN unser eigenes Leben leben, leben wir GEGEN unsere Energie. So, als würden wir immer dann die größten Leistungen abfordern, wenn wir gerade völlig erschöpft sind. So, als würden wir partout etwas durchsetzen wollen, obwohl es gerade überhaupt nicht klappen will. Gott sei Dank haben wir einen sehr klugen Körper. Damit wir kapieren: „Da läuft etwas verkehrt.“ schickt er uns „Schmerz“. Schmerz ist wie eine Warnleuchte aus dem eigenen Inneren. Sie will Deine Aufmerksamkeit auf etwas lenken.

Die meisten Menschen wollen den Schmerz so schnell wie möglich einfach nur loswerden. Egal wie. Betäuben ihn. Beschimpfen ihn. Bekämpfen ihn. Würden sie sich stattdessen dem Schmerz widmen, könnten sie die Baustelle erkennen, an der die Warnleuchte hängt. Und sie könnten die Baustelle bearbeiten, statt sie einfach mit einer Plane abzudecken und Müll draufzuschütten. Sich dem Schmerz zu widmen, erfordert Mut. Weil es Staub aufwirbelt, weil es Mühe macht, weil es dauert. Ist die Baustelle allerdings fein säuberlich beleuchtet und gereinigt worden, kann die Warnleuchte abgehängt werden. Mit anderen Worten: der Schmerz ist weg. Weiterlesen

Das Neue: heiß ersehnt und doch …

KAIROS-GedankeDas Neue: heißt ersehnt und doch … Wieso ist es nur so schwer, Neues, Schönes in das Leben zu lassen? Wieso ist Neues oft heiß ersehnt und doch so zäh zu holen? Das „Neue“ klingt aus dem Wortbegriff zunächst so, wie Kinder intuitiv ihre Welt erobern. Will ich haben! Ist das spannend. Aufregend. Bereichernd. Lebendig. Das „Neue“ hat jedoch irgendwann noch andere Bedeutungen bekommen: Oh, wie verwirrend! Gefährlich! Besitz ergreifend! Lähmend! … Und bringt eben auch Gefühle des Loslassens, des Abschieds, des Fremdelns in unser Leben. Ganz automatisch. Weil es „Altes“ ablöst. Auf jeden Fall heißt „Neues“ auch Wandlung, Distanzierung, Veränderung. Und warum soll Veränderung jetzt so schwierig sein, obwohl so viele wie die Kinder immer wieder danach streben?

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