Archiv für den Monat: November 2015

“Ich kann nicht!”

Sapere aude!Ich kann nicht? Was heißt das eigentlich? Heißt das: Ich will nicht? Oder: Ich fühle mich außerstande? Oder: Ich kann jetzt nicht? Oder: Ich kann generell nicht? Oder: Ich weigere mich? Oder: Mir fehlt die Kraft dazu? Mein heutiger Kairos-Brief an Sie ist ein Plädoyer für Genauigkeit. Warum? Weil es uns mit dem ehrlichen Blick auf unsere standardisierten Antworten den Weg öffnet, unsere eigene innere Energie besser kennenzulernen.

Ein Beispiel: In meinem „früheren Leben“ als Leiterin einer Werbeagentur hörte ich diesen Satz von einer Mitarbeiterin (35), die von einem Kunden wegen eines „wichtigen Projektes“ zu einem späten Gesprächstermin gebeten wurde. Spät hieß: um 19.00 Uhr an einem von ihm bestimmten Tag. Der Kunde war sehr erbost über die vermeintlich lapidare Antwort. Auch mir fiel es schwer, den Argumenten der Mitarbeiterin zu folgen. „Ich muss um 18.00 Uhr zu Hause sein. Mein Sohn braucht mich. Er möchte zu seiner Geigenstunde gefahren werden. Das ist sehr wichtig für mich.“ Da sie immer sehr gut gearbeitet hatte und die Kunden sie sehr schätzten, ließ ich es so stehen und übernahm den Termin. Ich selbst war 45 und die Projekte meiner Kunden lagen mir natürlich am Herzen. Wirklich verstehen konnte ich ihre Antwort damals nicht.
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November-Blues und die Sache mit dem Bleistift.

Christina Broda

Christina Broda

November-Blues und die Sache mit dem Bleistift. Ich mag Blues. Vor allem spät am Abend, wenn die Welt zur Ruhe gekommen ist und der Tag dann schön ausklingen kann. Ich mag die Melancholie, die oft im Blues mitklingt und die zu später Stunde oft auch mich zu einem ‚lonesome cowboy‘ macht. Was ich nicht mag, ist der jetzt wieder allenthalben grassierende November-Blues. Diese Mischung aus Miesepeterigkeit, schlechter Laune, „alles-ist-Mist-Stimmung“ und leichten Anflügen von depressiver Haltung. Wenn einem die Leute schon mit Mundwinkeln bis auf den Bauchnabel entgegen kommen und sich noch krampfhaft in eine graue Stimmung hineinreden.

Klar, ich mag auch den hellen, fröhlichen Sommertag lieber als graues, trübes Nebelwetter. Aber der November gehört zur biologischen Erneuerung der Welt einfach dazu wie der Mai zum neuen Erwachen im Frühling. Das ist wie beim Reinemachen: ohne vorher den Mief herauszulassen, kann keine frische Luft in die Räume einziehen.

Wie so oft, haben wir doch immer die Wahl, wie wir uns verhalten wollen. Wollen wir dem November-Blues verfallen oder wollen wir uns einen schöneren Tag machen? DAS liegt nun wirklich an keinem anderen als ausschließlich an uns selbst. Wer wirklich in seinem Kairos lebt, dem ist der Monat sowieso unwichtig. Da ist das Wetter oder der Monat völlig egal, denn es kommt nur auf das beglückende Tun und die erfüllte Zeit an. Für alle anderen gibt es den Bleistifttrick.

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